To be announced, verschoben, verlängert

Text: Petra Mostbacher-Dix, Fotos: Oskar Schlemmer, Das Triadische Ballett, 1922, Staatsgalerie Stuttgart, © Oliver Kröning (li.), Hendrik Zwietasch/Landesmuseum (re. o.), Staatsgalerie, Haegue Yang Sonic Gate – Law of Nine Part of Handles 2019 Courtesy of the artist, © Holger Niehaus (re. u.)

Wie steht’s in Stuttgart um die großen Sonderausstellungen im neuen Jahr?

Wegen der Corona-Pandemie haben es AusstellungsmacherInnen nicht leicht: Die Lockdowns zeigen Folgen bis weit ins Jahr 2022. Nun steht der Winter vor der Tür – und die Corona-Inzidenz steigt wieder. Keine guten Nachrichten für die Kunst- und Kulturszene. Normalerweise würde das neue Jahr mit einem bunten Potpourri an Sonderausstellungen der Stuttgarter Häuser beginnen. Ein Blick auf die aktuellen Programme der Museen zeigt aber: Im Vergleich zu 2019 sieht es da eher mau aus.

„Wir planen gar nicht weniger, haben die Konzeptionen nur nach hinten verschoben, im Prinzip um ein Jahr, um für die Projekte einen den Umständen angemessenen Vorlauf zu haben und letztendlich möglichst viel Publikum zu erreichen“, erläutert Martin Otto-Hörbrand vom Linden-Museum die Situation. Die Schau „Schwieriges Erbe", die zuerst bis Mai 2021 geplant war, wurde nun bis Mai nächsten Jahres verlängert. Begleitprogramme liefen zum Teil auch digital, im Herbst dann endlich wieder live.

Die neue große Sonderausstellung „Von Liebe und Krieg. Tamilische Geschichte(n) aus Indien und der Diaspora", die für Frühjahr 2022 angedacht war, wird nun auf Oktober geschoben. Immerhin: Der neue Dauerausstellungsteil „Ozeanien – Kontinent der Inseln“ soll bereits im März nächsten Jahres öffnen.

Die Pandemie-Folgen wie etwa eingeschränkte Reisemöglichkeiten, fehlende Planungssicherheit, Verteuerungen, Mehrarbeit bei Leihverträgen, Bauplanungen und Schwierigkeiten in der  Kommunikation bekommt nicht nur das Linden-Museum zu spüren.

Auch im Haus der Geschichte setzte man während des Lockdowns auf Ausstellungsverlängerungen: So wurde die „Gier“-Ausstellung bis September 2021 verlängert, wie Joachim Rüeck, Kommunkationschef des Hauses erzählt. Die Folge: Die sich anschließenden Ausstellungen „Hass“ und „Liebe“ der Trilogie müssen warten. „Die Reihe können wir allerdings nicht beliebig verlegen, da die große Landesausstellung ,Liebe. Was uns bewegt’ noch 2022 – im Jahr des 70. Landesgeburtstags – starten soll“, so Rüeck.

Ein weiterer Grund für Ausstellungsverlängerungen ist die mangelhafte oder  fehlende Besucher­Innenauslastung der Schauen in der Pandemie. Um ein Jahr verlängert wurden deshalb auch die große Landesausstellung „Fashion?!“ im Landesmuseum Württemberg und die Ausstellung „Ran an den Stoff!“ im Kindermuseum.  „Sonst hätten nur wenige Besucherinnen und Besucher die Chance gehabt, die beiden Mode-Ausstellungen zu sehen“, so Ulrike Reimann vom Landesmuseum. Damit beginnt die früher geplante Sonderausstellung „Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“ nun erst im Herbst 2022.

Auch die Staatsgalerie kann ein Lied von Corona-Auswirkungen singen: Die extremen Verschiebungen bedingen in der Galerie sogar, dass man neue Leihgaben für die geplante Ausstellung mit Werken des deutsch-amerikanischen Malers George Grosz suchen musste. Denn die zunächst  angeforderten Werke gingen zu anderen Grosz-Ausstellungen, die bereits früher stattfinden, so Pressereferent Nicolas Flessa.

Die Folge? Die Schau kann erst im Herbst 2022 starten. Wer nicht so lange warten will, kann sich auf den April freuen: Denn dann dreht sich alles um Oskar Schlemmers Triadisches Ballett, das vor 100 Jahren 1922 in Stuttgart uraufgeführt wurde.

Auch im Stuttgarter Kunstmuseum hofft man, dass im Sommer 2022 wieder Partizipation und Interaktion möglich ist – etwa in der Ausstellung „I do if I don’t“ des Ess­­­­linger Künstlers Tobias Rehberger, die im Frühjahr startet. „Endlich!“, sagt Kommunikationschefin Isabel Kucher, „die Schau musste wegen der Pandemie bereits zweimal verschoben werden.“ Bleibt zu hoffen, dass es das letzte Mal war.

Dieser Artikel ist aus LIFT 12/21

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