Schnell weg hier!

Wie kommt Stuttgart bei Google weg?

Texte: Frank Rudkoffsky, Illustration: Paulina Eichhorn

Bahnhöfe, Sehenswürdigkeiten und Co.: Die lustigsten miesen Google-Bewertungen für unbeliebte Orte im Kessel.

 

Fernsehturm mit DDR-Charme

In Stuttgart ist man mächtig stolz auf seinen Fernsehturm. Dabei kommt das Wahrzeichen aber längst nicht bei allen gut weg: „Zwei Aufzugfahrten für einen Erwachsenen neun Euro – und man kann weit schauen, ja, aber muss man das...?!“, fragt jemand. „Mit Gästen aus NY City im Restaurant: Charme einer DDR Mitropa Gaststätte, fremdschämen weglächeln!“ schreibt ein anderer. Unerfreulich war aber auch dieser Besuch: „Ich bin im Aufzug stecken geblieben – nach 14 Stunden warten hat mich die Feuerwehr endlich gerettet!!! Ich habe noch nicht mal Schadensgeld bekommen sondern nur ein Kaktus 4 Friends Eis!!!“ Also so’n Magnum wär’ da schon drin gewesen, finden wir.

 

Gefährlicher Hauptbahnhof

Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein gefährliches Pflaster, das wird beim Sichten seiner Google-Bewertungen deutlich: „War heute wie normal dort für U8, dann kam ein Mann mit einer Tüte zu mir und leerte diese auf mich aus, ich war voller Müll von Essensresten.“ – „Wurde mit einem Big Mac beworfen.“ – „Wurde mit Sonnenblumenkernen abgeworfen.“ Vielleicht ganz gut also, dass manche mit der Lebensmittelversorgung hadern: „Der Snack Automat hat mich um mein Bifi Roll betrogen. Nun hungere ich sehr.“ Das ist natürlich hart, zumal man hier dringend Wegzehrung braucht: „Gefühlt steigt man in der Ukraine aus, läuft durch Westeuropa und kommt dann Stunden später am Ausgang an.“

 

Mysteriöse Haltestellen

Über die teils fragwürdige Aufenthaltsqualität von Stuttgarts U-Bahn, S-Bahn und Bushaltestellen muss man vermutlich keine weiteren Worte verlieren – sehr wohl aber darüber, welche dreisten Schummeleien hier offenbar zum Vorschein kommen. Über den Berliner Platz schreibt eine Userin Unverständliches: „Ich finde es nicht okay, dass die Stadt die U-Bahn hier dreimal eingetragen hat, weil sie drei Eingänge hat. Das wird irgendwann auffliegen, da bin ich mir sicher!“ Auch der Österreichische Platz stellt sich für manche als Phantom heraus: „Eigentlich gibt es hier nichts... nicht einmal den Österreichischen Platz, jedenfalls habe ich ihn noch nicht gesehen.“ – „Der angekündigte Österreichische Platz ist jedoch nicht zu finden, habe ihn lange gesucht. Auch Anwohner konnten nicht helfen.“ Ein Fall für die X-Akten?

 

Vermisste am Schlossplatz

„Überall in der Innenstadt war Blut und es war trashig“, schreibt ein erschrockener Besucher über den Schlossplatz. Aber vielleicht hängt die Bewertung ja auch von der Erwartungshaltung ab? Ihre 1-Sterne-Bewertung begründete eine andere Besucherin nämlich so: „Schöner Ort zum Verweilen aber nur bei schönem Wetter!“ Ein anderer schrieb enttäuscht: „Wollt mich mit Alice fetzen aber die war nicht da“. Auch als Hotspot für virtuelle Spiele scheint die Stadt hier nicht zu taugen: „Wurde gezwungen hierhin zu gehen, da mein Low IQ Kumpel Pokémon Go spielen wollte.“ Das wollen offenbar einige – und schreiben enttäuscht: „Ich bin am letzten Sonntag mit der Familie extra aus Hamburg hierher gefahren, da ich hörte, dass ein Kollege ein schillerndes Dragoran gefangen hat. Es stellte sich heraus: Es gibt gar keine schillernden Dragorans. Pure Enttäuschung, die Kinder hörten nicht auf zu wimmern.“ Da ist dann wohl der Tourismusbeauftragte gefragt.

 

Und sonst so? Bitte sprengen!

Für einen Nutzer war am Flughafen in Leinfelden-Echterdingen zwar alles perfekt, einen Punktabzug gibt’s trotzdem: „Nur der Laugenkringel beim Bäcker war eine Schande, mir hat es davon einmal die Kuttel umgedreht!“ Der baden-württembergische Landtag dagegen muss offenbar für alles den Kopf hinhalten, was den BürgerInnen nicht passt: „Ich habe hier eine Prothese hergestellt. Ich habe nicht die Qualität erhalten, für die ich bezahlt habe.“ Beliebter könnte auch das Rathaus am Marktplatz sein: „Absolut hässlicher Klotz. Selbst die Sowjets hatten mehr Sinn für Schönheit als die Bauherren dieses Schandflecks. Bitte sprengen.“ Ein anderer vergibt immerhin zwei Sterne und schreibt: „Solide Verwaltung. Aber wieso ist die Stadt so laut und stinkend? Gefällt das den Stuttgartern?“

Dieser Artikel ist aus LIFT 02/21

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