Comicbuchpreis

Text: Vivian Mewes

Der Film im Comic

Hier treffen Welten aufeinander: Fiktion und Realität, Monster- und Liebesgeschichte. Der Comic „Madame Choi und die Monster“ von Autor Patrick Spät und Zeichnerin Sheree Domingo verzahnt zwei Handlungsstränge und heimste damit den Comicbuchpreis 2022 der Ditzinger Berthold Leibinger Stiftung ein.

Im Literaturhaus werden die beiden PreisträgerInnen mit einer Ausstellung gefeiert, die den Produktionsprozess durch Zeichnungen, aber auch durch bedruckte Stof-fe und getöpferte Monster-Keramiken zum Leben erweckt.

Im September soll der fertige Comic beim Verlag Edition Moderne erscheinen. Angefangen hat aber alles 2019 als Patrick Spät den nordkoreanischen Film „Pulgasari“ verpixelt auf Youtube gesehen und losrecherchiert hat. „Ich war direkt am Haken und wollte was daraus machen, da die Story alles vereint: Drama, Action, Liebe.“

Worum geht’s im Comic? „Das ist gar nicht so einfach“, lacht Spät. Die Story ist verschachtelt. Zum einen gibt es die reale Geschichte um das erfolgreiche Paar Choi Eun-hee – eine südkoreanische Filmikone der 60er und ihren Ex-Mann, Regisseur Shin Sang-ok – die nach Nordkorea entführt wurden, um für den damaligen Diktatorensohn Kim Jong-Il Filme zu drehen. Darunter den besagten Monsterklassiker „Pulgasari“.

Zum anderen wird frei nach der Filmvorlage die Geschichte des jahrhundertealten mythischen Monsters Bulgasari erzählt. Ein Film im Comic quasi, der die realen Geschehnisse um Madame Choi kommentiert. „Wir haben unsere eigene Geschichte und eigenen Charaktere dafür entwickelt“, erklärt Spät. „Beide Erzählstränge laufen dabei parallel und haben ein eigenes Farbschema fürs bessere Verständnis.“

In der Fantasy-Welt steht die 15-jährige selbstbewusste Mina im Mittelpunkt, deren Vater dem despotischen König beim Bau einer Bombe helfen soll. Zum Abschied schenkt er ihr eine Bulgasari-Puppe, die Mina unabsichtlich zum Leben erweckt.

Dass sie es sich mit der komplexen Geschichte nicht einfach gemacht haben, ist Spät und Domingo bewusst. Das Medium Comic kommt ihnen aber entgegen. „Das Visuelle in Verbindung mit Text ist sehr nah am Film“, sagt der Autor. „Mich reizt, dass auch zwischen den Kästchen etwas passiert, das die LeserInnen dann vervollständigen.“

Ganz nebenbei wird Wichtiges angesprochen. „Es sind zeitlose Themen, wie das Streben nach Macht und Liebe, aber auch toxische Männlichkeit und Feminismus“, betont Spät. „Die Hauptfiguren sind bewusst Frauen, die den ambivalent gezeichneten Männern Paroli bieten.“ Der Zeitbezug und die damit verbundene Kritik soll laut Spät beim Blättern offensichtlich werden.

Neben Spät und Domingo werden in der Ausstellung auch die neun weiteren FinalistInnen und ihre Comics zu sehen sein. Im Rahmen einer Stickerrallye vom Literaturhaus bis zum Schlossplatz kann man die Geschichten zudem spielerisch entdecken. Aufgabe ist es, Personen aus den Comics zu finden und diese zuzuordnen. Die passende Stickerkarte dafür gibt’s im Literaturhaus.

Comicbuchpreis 2022 [2.-31.5., Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4, S-Mitte, www.literaturhaus-stuttgart.de]

 

Dieser Artikel ist aus LIFT 05/22

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