Pal Offner Event

Unisex war gestern: Mit seinen Entwürfen steht das Bekleidungslabel Pal Offner für „Multisexualität“, also dafür, sich nicht den gesellschaftlich vorgegebenen Identitäten „feminin“ und „maskulin“ zu unterwerfen. Ein zeitgeistiges Konzept – und doch haben Sabina Pal und Nele Offner, die beiden Frauen hinter der Marke, nun beschlossen, ihr Atelier unweit des Stuttgarter Feuersees aufzugeben. Nicht, weil es an Ideen oder Nachfrage mangele, sondern weil es schlichtweg nicht mehr wirtschaftlich sei. „Das Produkt passt zum Markt, nur der Preis oft nicht“, erklären die Frauen, die zuletzt Kritik für den Preis eines ihrer Kleidungsstücke ernteten. Dass viele Menschen nicht über die finanziellen Mittel verfügten, um sich einen Mantel für rund 550 Euro leisten zu können, sei ihnen bewusst. Und doch betonen sie: „Unsere hochpreisigen Produkte bedeuten nicht, dass wir uns persönlich bereichern – auch wenn das oft vermutet wird.“

Um zu zeigen, wie die oft als unverhältnismäßig hoch eingestuften Preise unabhängiger Labels zustande kommen, haben die Gründerinnen sich daher für einen mutigen Schritt entschieden: Die radikale Offenlegung ihrer Kostenaufstellung auf der unternehmenseigenen Webseite. Auch, um zu beweisen, dass kleine Unternehmen bei normaler Arbeitslast langfristig kaum profitabel wirtschaften können – trotz augenscheinlich teurer Waren.

Auf die Frage, wie es nun weitergehe erklärt Pal: „In unseren Kollektionen steckt viel SchweiĂź und Herzblut. AuĂźerdem entsprach es immer unserer Philosophie, möglichst wenig TextilmĂĽll zu produzieren.“ Daher wolle man die StĂĽcke im Rahmen eines dreitägigen Events mit abschlieĂźender Fashion-Show noch einmal richtig in Szene setzen. Ein Kick-off, der eine Reihe an Aktionen bis ins neue Jahr einleiten soll. So sei ein Pop-up-Outlet mit stark vergĂĽnstigten Preisen geplant, um die avantgardistischen Designs auch denjenigen zugänglich zu machen, die sich bis dato nichts von der Marke leisten konnten. Auch die Idee zu einer Podiumsdiskussion mit anderen kleinen Unternehmen steht im Raum. Denn um Marken fernab des Massenmarkts vor dem Aussterben zu bewahren, mĂĽsse man an einer Lösung arbeiten, die das Schaffen unabhängiger Kreativer wirtschaftlicher mache, hält Pal fest. Sonst blieben am Ende nur groĂźe Ketten ĂĽbrig.                 

JCB

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