Jahresrückblick 2019

Event-Highlights von Kalender-Redakteurin Judith Oskamp
Die Überraschung: Fredrik Rydmans Nutcracker Reloaded, Theaterhaus
Als Kalender-Redakteurin komme ich mit vielen verschiedenen Veranstaltungen in Berührung und entdecke auch immer wieder neue spannende Sachen. Aber für eine Sache kann ich mich schwer erwärmen und das ist Tanz. Ich verstehe meist den Sinn des Stückes nicht und sehe nur zappelnden Menschen.
Anders beim Stück Nutcracker, das im Januar im Theaterhaus gezeigt wurde. Die Inszenierung vom schwedischen Star-Choreograf Fredrik Rydman war modern und abwechslungsreich und das Beste: ein Erzähler führte auf lustige Art durch das Stück, so dass auch Banausen wie ich mitkommen. Besonderes Highlight waren die phänomenalen Videoprojektionen. Da staunte sogar mein Technik-affiner Mann – und der ist wirklich mehr als schwer zu beeindrucken.
Die bewegendste Veranstaltung: Sally Perel, Hospitalhof
Der Jude Sally Perel wurde 1925 geboren und überlebte den Holocaust in Nazi-Uniform, mitten in Deutschland, unwissentlich protegiert von höchsten Stellen. Jahrzehntelang hatte er geschwiegen. Zu unangenehm war im sein eigenes Schicksal. Letztendlich schrieb er seine Geschichte doch im Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ nieder.
Im März war der inzwischen 93-Jährige im Hospitalhof zu Gast und erzählte von seiner Lebensgeschichte. Das Buch selbst war schon mehr als bewegend, aber vom Holocaust aus dem Mund eines Überlebenden zu hören, das war doch nochmal etwas ganz anderes. Nicht nur einmal hatte ich Gänsehaut. Die Veranstaltung wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Die Neuentdeckung: Fortuna Ehrenfeld, Club Cann
Ich war müde, ich lag zu Hause auf dem Sofa und meine Freundin quengelte „Ah komm halt mit!“ Lust hatte ich keine, nach Bad Cannstatt zu fahren und zum Konzert einer Band zu gehen, die ich nur vom Namen her kannte. Fortuna Ehrenfeld. Aber gut, was tut man nicht alles für die Freundschaft. Also, ab in den Club Cann, ein Bier geholt und dann ging es auch schon los. Drei Mann auf der Bühne, davon einer im Schlafanzug. Wo bin ich gelandet?
Was soll ich sagen, am Ende war ich verliebt. Das Indie-Pop-Trio hat mich verzaubert und seither ist „Helm ab zum Gebet“ ein Dauerbrenner auf meiner Playlist.