Jahresrückblick 2019

Album-Highlights von Musik-Redakteurin Tanja Kuzmenko
Tua – Tua
Tua hat mit der nach ihm benannten Solo-Platte ein Album veröffentlicht, das sich nicht im Genre festlegen will und dabei nie verloren wirkt. Eins, das soviel Spaß macht, wie es zum Nachdenken anregt: mal melancholisch, mal mit kraftvollem Boombap, dann wieder poppig-verträumt – und mit Trance-Elementen oder ukrainischem Gesang überrascht. Die Produktion ist aufwendig, ohne überladen zu sein, das Storytelling feinfühlig. Tua erzählt seine intensive Biografie, zeichnet den Weg zu seinem heutigen Ich mit einem Blick in die Ewigkeit. Rap ist es nicht, sondern mehr.
[VÖ 22.3.2019, Chimperator]
Angel Olsen – All Mirrors
Die US-Folk-Sängerin legte mit ihrem fünften Album „All Mirrors“ in jeglicher Hinsicht einen drauf: die Emotionen sind gewaltiger, der Gesang dramatischer, die Melodien episch und voller Schönheit. Bigger bedeutet zwar nicht automatisch besser, aber Olsen erweitert ihren Dream-Pop/Lo-Fi-Folk um ein Streich-Orchester und kitschbefreiten Pathos – und das funktioniert hervorragend. Ein den Hörer forderndes, theatralisches Werk, das für mich zu den besten des Jahres zählt.
[VÖ 30.7.2019]
Solange – When I get Home
Musikalisch ist „When I get Home“ eine ausgereifte Mischung aus Jazz, R’n’B, Trap und Ambient. Originell war die Neo-Soul-Queen aus Houston eben schon immer und so schafft sie auch 2019 einen unverbrauchten Klang, der seine Referenzen aus alten Funk-Platten zieht. Eine Künstlerin, die mit dieser Hommage an ihre Heimatstadt, ihre Kindheit und die afro-amerikanische Kultur angekommen scheint. Mit sinnträchtigen Lyrics und Hooks, die im Kopf hängen bleiben.
[VÖ 1.3.2019, Columbia]