Yipek Yoli

Erstes uigurisches Restaurant in Stuttgart

Das Land aus dem die Spaghetti kommt: im ehemaligen Su­shi One eröffnet Stuttgarts erstes uigurisches Restaurant. Die Spezialität: hausgemachte Nudeln.

Foto: Ronny Schönebaum

Wer an das Volk der Uiguren denkt, verbindet es meist mit viel Leid. Kein Wunder, denn Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung durch China verfolgen die ethnische Minderheit, die zu einem großen Teil dort beheimatet ist, schon seit vielen Jahren. „Aber viele wissen gar nicht, was für eine prachtvolle und schöne Kultur wir eigentlich haben. Wir sind ein richtig altes Volk – wir hatten ein Kaiserreich, ein Königreich, alles.“ Shahnura Kasim ist Aktivistin für Uiguren, ihre Eltern eröffneten kürzlich das erste uigurische Restaurant in Stuttgart.

Im Yipek Yoli in der Marienstraße möchte die Familie ihre Kultur auf eine neue Art und Weise begreifbar machen. Und zwar vor allem durch eines: gutes, traditionell uigurisches Essen. „Wir haben versucht, das Politische wegzulassen, wollten aber trotzdem authentisch sein“, erklärt Kasim das Konzept. „Viele uigurische Restaurants haben zum Beispiel chinesische Schriften in den Speisekarten. Wir nicht. Wir wollen authentisch sein und uns von China abwenden. Die Leute sollen checken: Die Uiguren haben nichts mit Chinesen zu tun.“

Das Yipek Yoli ist nach einem Lokal in Karlsruhe das zweite uigurische Restaurant in Baden-Württemberg und das sechste in ganz Deutschland. Eröffnet im ehemaligen Sushi One in der Marienstraße, findet man nun ein traditionell eingerichtetes Lokal mit etwa hundert Sitzplätzen.

Für alle, die sich mit der Kultur der Uiguren nicht auskennen, hier ein kleiner Einblick in die Speisekarte: Ganz typisch für die uigurische Küche sind die handgezogenen, feinen Nudeln, die im Restaurant selbst hergestellt werden. „Um die Nudeln zu machen, braucht es jemanden, der sich auskennt“, sagt Shanhura Kasim. „Deswegen haben wir in der Küche neben unserem Koch einen eigenen Nudelmacher.“ Auf die Nudeln kommen dann verschiedene Soßen, zum Beispiel mit Rind, Hähnchen, Lamm, Gemüse oder Ei. Die Soßen, genauso wie die Salate und Dumplings, werden selbst gemacht – wie eigentlich alles im Restaurant, erklärt Kasim.

Wer keine Lust auf Nudeln hat, kann die Soßen aber auch mit Reis probieren: „Reis essen wir Uiguren auch recht typisch, auch wenn die Nudeln viel traditioneller sind. Die muss man aber stehen lassen, ausarbeiten und nochmal stehen lassen. Und weil das so lange dauert, gibt es den Reis oft als Alternative“, erklärt Kasim.

Übrigens: Eine Geschichte besagt, dass die Spaghetti ursprünglich von den Uiguren stammen. „Marco Polo soll sie damals bei seiner Asienreise entdeckt und mit nach Italien genommen haben“, sagt Shanhura Kasim. „Das ist natürlich nur eine Legende. Aber wer weiß…“                    

 

Yipek Yoli [Marienstr. 28, S-Mitte, tägl. 11-22 Uhr, @yipekyoli_seidenstrasse]

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