Ökonomisch bleibt die Lage angespannt – nicht wegen eines einzelnen Problems, sondern wegen vieler kleiner, die zusammenwirken. „Wir haben nicht das eine große Problem, sondern viele kleine, die zusammen den Druck erhöhen“, so Benjamin Hille. Seit Corona seien Besucherzahlen gesunken, während Kosten und Auflagen gestiegen seien. Clubs müssen verlässlich Umsatz machen, um Personal, Miete und Betriebskosten zu decken. „Ein Club kann nicht jeden Abend riskieren, ob etwas funktioniert.“
Genau hier übernehmen Kollektive eine größere Rolle. „Kollektive können einfach mehr Neues ausprobieren“, erzählt Zimmer. „In Stuttgart kommen viele neue Kollektive auf. Die bringen dann ihre eigenen Bubbles mit in die Clubs.“ Die Clubs selbst müssten hingegen auf sichere Abende setzen, Formate, die zuverlässig funktionieren. Kollektive können durch ihre meist ehrenamtlichen Strukturen mehr probieren und riskieren.
Weinmann beschreibt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus seiner Sicht: deutlich weniger Gäste, deutlich höhere Kosten und teure Investitionen und Baumaßnahmen, etwa in Sachen Schallschutz. „Solche Maßnahmen sind wahnsinnig teuer. Wir wollen die Anwohner bestmöglich schützen, aber das geht nicht ohne Förderung.“
Dass es jetzt Unterstützung gibt, liegt an der engeren Zusammenarbeit zwischen Stadt und Szene. Beim „Runden Tisch Nachtleben“ kommen BetreiberInnen, Ordnungsamt, Nachtbürgermeister und Vereine zusammen. Hervorgehoben wird die neue Schallschutz-Förderrichtlinie, die Bestandsclubs entlasten soll. Weinmann begrüßt das ausdrücklich – gerade an der Calwer Straße, wo tatsächlich Menschen wohnen. Gleichzeitig wünsche er sich an manchen Stellen noch mehr Unterstützung: „Jegliche Kunst und Kultur wird gefördert, aber die Club- und Nachtszene ist oft das Stiefkind.“ Ein Grund sei das Stigma, das Clubs anhafte: Drogen, Lautstärke, Gewalt.
Trotz aller Schwierigkeiten gibt es Impulse, die Hoffnung machen. „Alles Neue wird extrem gehypt“, sagt Weinmann. Für ihn sind neue Clubs, Festivals und temporäre Orte klare Bereicherungen: „Sie bringen Leute in die Stadt, und das belebt das Nachtleben.“ Auch das Clubkollektiv sieht Bewegung: „Flinta-Kollektive, queere Formate, spezielle Sounds – da passiert gerade sehr viel.“
Für die kommenden Jahre erwarten alle drei eine vielfältigere, gleichzeitig stärker segmentierte Szene. Feiern wird zielgruppenspezifischer, kuratierter und teilweise weiter in den Tag wandern. Clubs werden enger mit Kollektiven zusammenarbeiten müssen.
Trotz mancher Herausforderungen zeigt sich in Stuttgart weiterhin eine dynamische Clubszene: Viele etablierte Clubs haben sich bereits musikalisch weiterentwickelt, schaffen sichere und vielfältige Räume und tragen maßgeblich zur kulturellen Dynamik der Stadt bei.
Weinmann fasst es schließlich so zusammen: „Es wäre schade, wenn sich das Clubsterben fortsetzt. Gerade jüngere Menschen orientieren sich bei ihrem Wohnort oder der Wahl der Uni-Stadt danach, wo sie regelmäßig weggehen können.“ Für Stuttgart bedeutet das: verlässliche Rahmenbedingungen schaffen – und eine Clubszene, die lebendig genug bleibt, um künftig bestehen zu können.