Wer hält den Marienplatzflohmarkt am Leben?

Schrumpfende Flächen, sinkendes Engagement

Flohmärkte wie der auf dem Marienplatz sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Aber wer kümmert sich um den Erhalt?

Foto: Annette Vacano

Der Pulli für 2 Euro oder doch lieber ein skurriler Porzellanfrosch? Wer auf dem Marienplatzflohmarkt kein Schnäppchen macht, ist selbst schuld, denn Auswahl gibt es genug. Und Bedarf erst recht: Flohmärkte schießen aus dem Boden und Secondhand-Websites erfreuen sich noch nie dagewesener Popularität. Immer mehr Menschen entscheiden sich für die günstigere, nachhaltigere und fairere Option: Mode aus zweiter Hand. Flohmärkte wie der auf dem Marienplatz sind dabei aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Oder?

Annette Vacano hatte diese Annahme, bis sie 2023 eine Schlagzeile las: Der Marienplatzflohmarkt stehe vor dem Aus. „Ich dachte einfach, der Flohmarkt existiert eben. Bis ich dann gesehen habe, was dahintersteht.“ Seitdem engagiert sie sich: hilft bei der Koordination des Auf- und Abbaus, am Info-Stand, beim Verteilen von Flyern und Standkarten. Sie ist selbst Anwohnerin und sieht im Flohmarkt mehr als nur Verkaufsstände: „Das Handeln ist das, was den Flohmarkt besonders macht. Und das Miteinander.“

Das fand früher nicht nur auf dem Flohmarkt statt. Der Handels-, Gewerbe- und Dienstleistungsverein Stuttgart-Süd (HGDV) „Der Süden“ organisiert das einzige Überbleibsel einer Reihe von Festen, Märkten und Events. Hagen Müller ist zweiter Vorsitzender des Vereins und seit Jahrzehnten aktives Mitglied. Er erinnert sich noch an die Maifeste und die Aktion „Am besten im Süden“, bei der die Attraktivität des lokalen Einzelhandels durch ein Bonussystem gesteigert werden sollte. Auch das Winterdorf „Wouahou“ stand bis vor wenigen Jahren noch unter der Organisation des Vereins. Bis ihnen die Leute fehlten.

„Wir machen das hier fürs Quartier“, betont Müller. Das Ziel des Vereins ist eine starke Gemeinschaft, eine nachhaltige Nahversorgung sowie eine Belebung des Stadtviertels. Mit dem Marienplatzflohmarkt, den sie gemeinsam mit dem Verein Heusteigviertel organisieren, schaffen sie alles drei. Wenn auch nicht mehr im gleichen Maß, erzählt Müller: „Vor zehn Jahren hatten wir fast doppelt so viele Standmeter. Da gab’s dann auch eine kleine Schweine-Eisenbahn für die Kinder. Es war eine Tagesaktivität fürs ganze Viertel.“ Wegen Schutz vor Amokfahrten darf seit Kurzem der Bereich unterhalb der Treppen nicht mehr genutzt werden, die Verkaufsfläche schrumpft dadurch weiter.  

Auch wenn der Markt heute kleiner ist, wird er nach wie vor sehr gut besucht. Eine Mischung aus Stamm-VerkäuferInnen und Neulingen stellen aus, sowie jedes Mal gut ein Dutzend gewerblicher AnbieterInnen aus dem lokalen Kunsthandwerk. In Vergangenheit gab es auch eine Kooperation mit Harry’s Bude und dem Verein Helfende Hände – am Ende des Tages konnten die AusstellerInnen ihre übrig gebliebenen Kleidungsstücke spenden.

„Mich wundert, dass nicht mehr Leute den Impuls verspüren, mitzumachen und aktiv zu werden“, sagt Vacano. Für sie war schnell klar: Der Marienplatzflohmarkt muss erhalten bleiben. Und dafür sorgen sie, Hagen Müller und ein kleines Team aus bis zu zehn Ehrenamtlichen selbst – solange sie noch können. Das Angebot für nachhaltigen Konsum, kombiniert mit Gemeinschaft, halten sie für unabdingbar, betont Vacano: „Der Grundgedanke hier ist das Zusammenkommen. Der Flohmarkt ist eigentlich nur das Mittel dazu.“

Marienplatzflohmarkt [13.9. 10-17 Uhr, Marienplatz, S-Süd, www.stuttgart-sued.info, @marienplatz_flohmarkt]

Mehr Storys, Tipps und News aus Stuttgart in der Ausgabe LIFT 07/25

Den ganzen Artikel gibt’s in der Ausgabe LIFT 07/25
LIFT im Juli 2025

Einzelausgabe E-Paper

Sofort als PDF lesen

  • Kosten pro Stück: 2,20 €

LIFT-Abo

Ein ganzes Jahr Print & E-Paper für nur 59,90 €

Jetzt bestellen

...