Weihnachten neu definiert

Künstlerin und Aktivistin Kim Hoss macht’s vor

Jenseits vom klassischen Familienzwang und festem Programm gestaltet Kim Hoss Weihnachten so, wie es für sie am besten ist – ohne Erwartungen und ganz für sich.

Foto: Kim Hoss

Kim Hoss macht es vor: Seit 2018 feiert die Stuttgarterin Weihnachten anders. Jenseits vom klassischen Familienzwang und festem Programm gestaltet sie diesen Tag so, wie er für sie am besten ist – ohne Erwartungen und ganz für sich.

Oft spontan, manchmal allein, aber immer selbstbestimmt. Hoss hat sich bewusst gegen die traditionellen Erwartungen entschieden und zeigt, dass Weihnachten auch eine Zeit sein kann, um zur Ruhe zu kommen und ganz bei sich zu sein.

Schon in jungen Jahren empfand die Künstler-in Weihnachten als Ritual, das wenig Raum für Individualität lässt. „Ich habe oft mehr das Gefühl gehabt, einer Verpflichtung nachzukommen, statt die Festtage wirklich zu genießen“, erzählt sie. Als sie 2018 erstmals Weihnachten ohne ihre Familie verbrachte, öffnete sich für sie eine neue Welt – die Freiheit, das Fest nach ihren eigenen Wünschen zu gestalten. Ihr Weg führte sie 2019 auf eine holländische Insel, wo sie das Fest in einem alten Zirkuswagen mitten auf einem Feld verbrachte, begleitet nur von ihren beiden Hunden und dem Esel, der auf dem Grundstück lebt. „Ich war allein am Strand am 24. Dezember, und ich habe mich so frei gefühlt“, beschreibt Hoss diesen Moment. Es war ein seltsamer Mix aus Einsamkeit und Befreiung – ein Weihnachtsfest, das sie als tiefgehende Erfahrung in Erinnerung behält und rückblickend als ihr schönstes kürt.

Für viele bedeutet Weihnachten, Geschenke in Hülle und Fülle unter den Baum zu legen, große Festessen zu veranstalten und das perfekte Bild von Harmonie zu inszenieren. Doch für die Stuttgarterin hat dieses Bild seinen Reiz verloren. Sie hat den Konsum bewusst reduziert und betont, dass die Feiertage nicht von materiellen Werten abhängen sollten. Ein selbstgemachtes Geschenk bedeutet ihr weitaus mehr.

Nicht jede und jeder traut sich, das Fest eigenständig zu gestalten. Schließlich weckt Weihnachten Erinnerungen und Erwartungen, die oft tief verwurzelt sind. Doch genau darin könnte die Stärke eines individuellen Weihnachtsfestes liegen: die Freiheit, selbst zu entscheiden, was einem wirklich wichtig ist. „Ich gönne jedem sein perfektes Familienweihnachten“, sagt die Stuttgarterin. „Aber für mich ist es wichtiger, diesen Tag als meinen eigenen zu erleben.“ Weihnachten muss nicht das große Spektakel sein, das alle Erwartungen erfüllt. Es darf auch ein Tag der Ruhe, der Reflexion oder der Freiheit sein. Statt sich dem Druck zu beugen, könnte man sich vielmehr fragen: Was passt wirklich zu mir?

Kim Hoss hat ihre eigene Antwort gefunden – und will andere inspirieren, nach ihrer eigenen Version des Weihnachtsfestes zu suchen. Die Feiertage allein zu feiern, mag Einsamkeit mit sich bringen, kann aber auch befreiend sein – ein Tag, den man sich selbst schenkt, frei von Erwartungen.

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