Was wird aus dem Gaskessel?

Ein Koloss hat ausgedient: Der Gaskessel im Stuttgarter Osten wird jetzt stillgelegt. Direkt daneben liegt Deutschlands einziger Permafrostboden, der nun langsam auftauen soll. Über die Nachnutzung des Geländes wird wild spekuliert – wir hätten da auch ein paar Vorschläge.

Vogelfrei sein

Schaffa, schaffa, Häusle baua: Niemand nimmt’s Leben so ernst wie wir Schwaben. Dabei sollten wir manchmal einfach loslassen, uns den Wind um die Ohren sausen lassen und fliegen lernen – wortwörtlich. Der Gaskessel hat nämlich die optimale Form für einen XXXL-Windkanal. Permafrostboden weg, unten ne große Turbine rein – Daimler, Porsche oder Bosch werden’s schon sponsern – und dann geht’s hoch hinauf in die Lüfte. Dazu läuft in Dauerschleife Max Herres „Fühlt sich wie fliegen an“ und wer’s schafft, oben den Deckel zu berühren, bekommt 20 Prozent auf den nächsten Flug.

Achtung, Arschbombe!

Gerade erst ist er fertig geworden: In Dubai kann man im tiefsten Pool der Welt 60 Meter nach unten tauchen. Die Ingenieure sind mächtig stolz – und wären natürlich absolut bestürzt, wenn ihnen plötzlich eine bescheidene schwäbische, äh, Metropole den Weltrekord abluchst. Eigentlich schon Grund genug, um den 102 Meter hohen Gaskessel mit ganz viel Wasser aufzufüllen und ne fette Arschbombe rein zu machen. Und wer weiß, wenn die Stadt noch einen Sprungturm daneben stellt – vielleicht holen wir dann Olympia 2056 ins Ländle.

Welcome im Winter-Wonderland

Der Klimawandel ist scheiße. Klar, wir freuen uns zwar auf die sonnigen Tage im Kessel – aber Schneeballschlachten und Schlittenfahren sind schon auch geil. Warum also nicht das Winter-Wonderland in den Gaskessel outsourcen? Der einzige Permafrostboden Deutschlands (außer der Zugspitze) macht’s möglich. Oben machen wir ein paar Schneekanonen fest und dann geht die Post ab: Montag Schlittschuh-Rennen, Dienstag Schneeballschlacht, Mittwoch Eishockey und Donnerstag Skikurs mitten in Stuttgart. Am Wochenende ist dann das ganze Jahr über Weihnachtsmarkt. Mal ehrlich: Wenns mit dem Klimaschutz so weitergeht, gibt’s sowieso bald keine Jahreszeiten mehr.

Achterbahn um den Gaskessel

Hoch hinaus

Im Kessel, um den Kessel und im Looping obendrüber: Wie nice wär’s, auf einer Achterbahn um den Gaskessel zu sausen? Das nötige Know-How sitzt mit dem Erlebnispark Tripsdrill schließlich seit Jahren im Ländle. Statt lästiger Parkplatzsuche fahren wir einfach mit den Öffis nach Gaisburg, schreien uns auf 100 Metern freiem Fall die Seele aus dem Leib und anschließend geht’s für Pommes und Schnitzel ins Schweinemuseum. Einen Namen hätten wir auch schon: Gaslight Express 711000.

Fridas Kessel

Clubsterben is real und der Osten kommt: Warum den Gaskessel nicht zum Club umbauen? Mit dem Schiff Fridas Pier schräg gegenüber taugt die B14 ja bestens als neuer Party-Hotspot der Stadt, Theo 2021 quasi, Konkurrenz beflügelt das Geschäft und so. Immerhin ist Stuttgart seit der Pandemie auch wieder ein Magnet fürs Partyvolk aus dem Umland, da wäre doch so ne Autobahn-Disse, die für Shuttles, Partybusse und Doppelkennzeichen bestens anzusteuern ist, fast wieder zeitgemäß.

Bier, Marsch!

Monströser Kessel mit Permafrostboden in unmittelbarer Wasen-Nähe – kann hier mal bitte jemand Eins und Eins zusammenzählen?! Wir machen den Kessel zu einem riesigen Bierfass! Die Touris freut’s: Von da an kann man den Cannstatter Wasen auch einfach 365 Tage im Jahr bespielen. Wir sehen da schon tolle Bierwanderungen um den Kessel, Biertastings auf dem Kessel und vor allem eine große Reklame um den Kessel herum, die wirklich von jedem und jeder, der nach Stuttgart reinfährt, gesehen wird. Stuttgarts Bierbrauereien – diese Chance gibt’s nur einmal, zugreifen!

Tief einatmen

Feinstaubalarm war gestern. Stuttgart steigt um, wird grün und nachhaltig, alle fahren Rad und E-Scooter und wenn S21 dann erst mal fertig ist und alle (!) nur noch mit dem Zug hier herfahren, dann hat sich die Sache mit dem Feinstaub in der Innenstadt in Luft aufgelöst. Wer trotzdem mal feinste Drecksluft atmen will, muss fortan weiter weg fliegen, nach Hongkong, Neu-Delhi oder so. Dabei wäre es so einfach: Für alle rückstän... äh, konservativen Dieselmotorfetischisten könnte man ein Feinstaub-Erholungscenter im Gaskessel unterbringen. Zur Bundesstraße hin die Fassade aufbrechen, mehrere Stockwerke mit Sonnenliegen, Infinity-Pools und Chill-Out-Areas reinziehen und fertig ist die Wellness-Oase für Feinstaub-Connaisseure und Gelbwesten.

Illustrationen: Lukas Eggert, Texte: Isabell Mayer, Petra Xayaphoum

Dieser Artikel ist aus LIFT 10/21

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