„Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört“, stellte schon J.K. Rowling fest und ließ diese Worte durch den fiktiven Schulleiter Albus Dumbledore aka Harry Potters weisen Lehrmeister verlauten. Jede und jeder träumt, viele können sich oft auch noch am nächsten Morgen an ihre Träume erinnern.
Und ein besonders aufwühlender Traum kann einem schon mal den Tag verderben. Aber warum wir träumen und wie essenziell Träume für einen gesunden Schlaf und den Menschen im Alltag sind, wissen tatsächlich die wenigsten.
„Alle Lebenswesen, die Nerven haben, schlafen und träumen auch“, so Vera Wienhausen-Wilke, Ärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin, sowie Leiterin des Schlaflabors des Klinikums Esslingen. Und: „Wir träumen sehr häufig, auch tagsüber.“ Selbst ein kurzes Abschweifen der Gedanken oder das Ausmalen des nächsten Urlaubs kann in diese Kategorie eingeordnet werden. Das ist ganz normal: „Wir können uns auch tagsüber nicht die ganze Zeit konzentrieren, sodass wir zwischendurch in Phasen des Tagträumens übergehen“, erklärt Wienhausen-Wilke.
Und nicht nur Tagträumen, sondern auch das Träumen in der Nacht, im Schlaf, ist wichtig. Der Traum ist eine besondere Form des Bewusstseins, während der Körper in Ruhe ist. Träumen ist also essenziell für den Menschen. Erst dann erholt sich der Körper und erlangt den qualitativen Schlaf, den er benötigt.
„Vor allem im sogenannten Rem-Schlaf wird alles, was wir bewusst oder unbewusst aufgenommen haben, verarbeitet, zum Teil aussortiert und vergessen oder gespeichert“, erklärt Wienhausen-Wilke. „Im Rem-Schlaf, können wir nur unsere Augen bewegen, der Rest des Körpers ist gelähmt, weil wir das Geträumte sonst ausagieren würden und uns selbst im Schlaf verletzen könnten“, so die Ärztin.
Grundsätzlich gehen viele davon aus, dass man, wenn man einmal eingeschlafen und nicht bewusst wach geworden ist, auch wirklich durchgeschlafen hat. Das stimmt so nicht ganz, denn wir wachen nachts mehrmals auf. „Man durchlebt pro Nacht vier bis sieben Schlafzyklen, zusammengesetzt aus Leichtschlaf, Tiefschlaf und Rem-Schlaf“, erklärt Wienhausen-Wilke.
Aber wieso träumen wir überhaupt, was wir träumen? Wie etwa, dass uns die Zähne ausfallen. Oder, dass wir in Unterhose vor der versammelten Klasse stehen. Früher wurde dem Inhalt der Träume ein höherer Stellenwert bemessen, heute geht die Forschung eher davon aus, dass wir hauptsächlich von Banalem träumen. Dinge, die wir mittelbar oder unmittelbar erlebt haben.
Das betrifft auch Träume mit unangenehmem Inhalt, die wir als Albträume kennen. „Albträume sind normal, aber wenn sie zu häufig auftreten, wenn es einen beeinträchtigt, dann sollte man schauen, woran das liegen könnte“, rät Wienhausen-Wilke. „Aber normalerweise hilft Schlaf dabei, Erlebtes zu verarbeiten: Wenn man mit einem schlechten Erlebnis im Kopf ins Bett geht, ist es am nächsten Morgen oft schon nicht mehr so schlimm“, erklärt sie. „Im Prinzip sind Schlaf und Traum unsere besten Psychotherapeuten, die dabei helfen, dass wir das Erlebte gut verarbeiten können.“ Träume und auch Albträume sind also nichts Schlechtes. Im Gegenteil. „Man muss träumen, ansonsten drohen psychische Probleme“, erklärt Wienhausen-Wilke.

