Worauf Eltern dabei achten sollten

Vorlesen ist Wertschätzung

Text: Frank Rudkoffsky, Fotos: Picsea/Unsplash + Ronny Schönebaum

Kindern abends etwas vorzulesen ist wichtig, darin sind sich alle einig. Im Interview verrät uns Maike Giebner von der Stuttgarter Kinderbuchhandlung Naseweis, worauf Eltern dabei achten sollen und welche Bücher sich wann am besten eignen.

 

LIFT Wie wichtig ist Vorlesen als Einschlafritual?

Giebner Es gehört für mich einfach zu einem runden Tagesablauf dazu. Auch für die Eltern: Man nimmt sich Zeit fürs Kind und hat am Ende eines anstrengenden Tages einen positiven Abschluss ganz ohne Stress und Schimpfen.

LIFT Und wenn die Kinder lieber noch spielen wollen?

Giebner Dann muss man sich durchboxen wie beim Abendessen oder Mittagsschlaf. Feste Regeln und ein strukturierter Tagesablauf sind wichtig für Kinder. Sich die Zeit zu nehmen und gemeinsam zu lesen hat auch etwas mit Wertschätzung für die Kids zu tun. Wichtig ist aber, sie dabei miteinzubeziehen.

LIFT Wie das?

Giebner Etwa, indem man sie aus mehreren Büchern auswählen lässt. Besonders bei größeren Kindern sage ich immer: Bringt sie in die Buchhandlung mit! Sie müssen ja Spaß an den Büchern haben. Das macht auch einen kleinen Buchladen wie unseren aus – man kann gemeinsam schauen, was passt.

LIFT Was und wie lange sollte man vorlesen?

Giebner Es hängt vom Alter und vom Typ ab. Nicht jedes Kind hat dieselben Vorlieben, manche schlafen schon nach drei Sätzen ein, andere können stundenlang zuhören. Grundsätzlich sollte das Buch eher einfach geschrieben sein, damit das Kind beim Zuhören nicht zu viel nachdenken muss. Aber auch Eltern sollten ein Buch mögen, schließlich müssen sie es gerade bei Kleinkindern wieder und wieder vorlesen. Und: Es muss zum eigenen Vorlesestil passen.

LIFT Inwiefern?

Giebner Ein Klassiker ist zum Beispiel „Gute Nacht, Gorilla“ von Peggy Rathmann, aber das hat keinen Text. Es muss den Eltern also liegen, Geschichten frei zu erzählen. Andere Bücher sind dagegen in Reimform verfasst – als Erwachsener kommt man da schnell ins Leiern, wenn einem das Vorlesen keinen Spaß macht.

LIFT Welche Bücher empfehlen Sie gerne für Kleinkinder?

Giebner In den ersten Jahren empfehle ich vor allem kurze, abgeschlossene Geschichten. Schön sind etwa die Bücher vom Kleinen Siebenschläfer oder „Nur noch kurz die Ohren kraulen“ mit dem Hasenkind.

LIFT Und für Kindergartenkinder?

Giebner Für die empfehle ich gerne einfache, kurze Geschichten mit wiederkehrenden Figuren, etwa von der Detektivin „Missi Moppel“, den Freunden „Kosmo und Klax“ oder den „Wilden Zwergen“, die gut den Kindergartenalltag abbilden. 

LIFT Und wie sieht es mit Schulkindern aus?

Giebner Bei Kindern ab fünf oder sechs können es schon durchlaufende Geschichten in Kapiteln sein, etwa die Klassiker von Ottfried Preussler. Manche Kinder mögen auch Lustiges wie das „NEINhorn“ oder „Peterson und Findus“, andere haben mehr Spaß an Abenteuergeschichten wie „Armstrong“ und den Mausabenteuern von Torben Kuhlmann.

LIFT Sind die klassischen Märchen heutzutage zu gruselig?

Giebner Wenn das Kind nicht zu sensibel ist, dann nicht – solange am Ende das Gute siegt. Einer Freundin von mir ist es wichtig, die Originale vorzulesen. Sie möchte, dass ihre Kinder so auch alte Begriffe lernen. Ich mag eher die modernen Varianten mit schönen Illustrationen, die sind frecher und moderner.

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