Der Stuttgarter Maeckes, den meisten bekannt als Mitglied der HipHop-Gruppe „Die Orsons“ und Tausendsassa der deutschen Musikszene, gönnt sich eine kreative Pause von seinen Konzerten – zumindest nach der Tour im Herbst, bei der auch Halt in Stuttgart macht.
Was keinen Rückzug von der Musik bedeutet: Während er die Bühne eine Zeit lang meiden möchte, widmet er sich neuen Projekten. Eines davon wird im Sommer 2025 in Stuttgart Premiere feiern: „Der rote Wal“, eine Oper, die der 42-Jährige mit Regisseur Martin G. Berger an der Staatsoper Stuttgart auf die Bühne bringt.
Seit über zehn Jahren begleitet die Gitarre Markus Winter, alias Maeckes, durch seine Musik – von den Anfängen auf der Dachterrasse der alten Schräglage, bis zu den großen Hallen. Was mit Rap-Battles und der Gründung der Orsons begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem künstlerischen Spektrum, das weit über HipHop hinausgeht. „Zu Beginn war Rap mein ganzes Universum“, erinnert sich Winter. Doch schon 2007 überschritt er mit dem Künstler Plan B Genre-Grenzen, als die beiden in der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg das Format „RapUpComedy“ entwickelten – eine hybride Show aus Rap, Stand-up und Theater. Der erste von vielen Schritten, die Maeckes auf seinem künstlerischen Weg zurückgelegt hat.
Und eine Karriere, die ihn mittlerweile auch ins Fernsehen führt, etwa als Schauspieler in der ZDF-Neo-Serie „Deadlines“.
Dass Maeckes seine kreative Neugier stets auslebt, zeigt sich nun in seiner Arbeit als Opern-Autor. „Schon damals in Ludwigsburg war mir klar, dass mich meine kreative Reise irgendwann in diese Richtung führen würde“, erklärt er. „Es gibt genug Dinge, die ohne Rap funktionieren, wie zum Beispiel eine Oper“.
Mit „Der rote Wal“ eröffnet der Wahlberliner ein weiteres Kapitel in seiner Karriere. Die Oper erzählt die Geschichte von Gladis, einem weiblichen Orca, die die Menschheit für die Zerstörung der Natur zur Rechenschaft ziehen will. Auf ihrem Rachefeldzug verwandelt sie sich für 24 Stunden in einen Menschen, um Symbole des Überflusses zu zerstören, von Kreuzfahrtschiffen bis zu Superyachten.
Auf ihrem Weg begegnet sie einer Stadtguerilla, die sie vor die Frage stellt, ob der Zweck tatsächlich die Mittel heiligt. „Der rote Wal“ ist ein modernes Märchen, das die Grenzen zwischen Fantasie und gesellschaftlicher Realität verschwimmen lässt. Die Thematiken der Oper spiegeln Maeckes Engagement wider. „Das stärkste Mittel für Veränderung ist der Dialog – besonders dort, wo es unbequem wird“, sagt er über seine Sicht auf gesellschaftlichen Wandel. Eine Haltung, die sich durch seine Werke zieht.
Für die Proben und Aufführungen des Stücks wird Maeckes im Sommer 2025 wieder regelmäßig nach Stuttgart zurückkehren. „Es fühlt sich immer sehr romantisch an“, sagt er über das Heimkommen, das für ihn inzwischen eine neue Qualität hat. Früher, so erklärt er, fiel es ihm schwer, hier er selbst zu sein. Heute gelingt ihm das besser. „Ich glaube, ich trage viele von den Klischees der Stadt in mir, auch wenn ich sie damals als engstirnig empfand.“ Dennoch sind es genau diese Eigenheiten, die Stuttgart für ihn ausmachen. Neben der Familie und alten FreundInnen, sind es auch die kleinen Dinge, wie eine Butterbrezel oder Linsen mit Spätzle, die ihn in die schwäbische Heimat zurückziehen.
Auch wenn Maeckes seine Musik vorerst pausiert, heißt das nicht, dass er die Bühne hinter sich lässt. „Ich träume von meiner nächsten Häutung“, erklärt er – ein Sinnbild für den unermüdlichen Drang nach künstlerischer Erneuerung – und einer stetigen Bereicherung der deutschen Musikszene.
Maeckes [11.11. 20 Uhr, Wizemann, Quellenstr. 7, S-Bad Cannstatt, www.chimperator-live.de]

