Verkorkst und Zugenäht

Das Stuttgarter Label fertigt Accessoires aus Baumrinde

Simona Cupaiolo vom Stuttgarter Label „Verkorkst und zugenäht“ fertigt aus Kork handgefertigte Bauchtaschen und Accessoires, die nicht nur stilvoll, sondern auch ökologisch wertvoll sind.

Foto: Simona Cupaiolo

Kork ist ein natürlicher Rohstoff, der biologisch abbaubar und wiederverwertbar ist. Um ihn zu gewinnen, wird die Rinde der Korkeiche geschält, die Bäume müssen dafür aber weder gefällt noch beschädigt werden. Klingt nach einem idealen, zukunftsorientierten Rohstoff – dachte sich auch Simona Cupaiolo: „In einem Nähladen habe ich Kork zum ersten Mal als Meterware entdeckt“, erklärt die Eigentümerin des Stuttgarter Labels „Verkorkst und zugenäht“. „Ich war sofort von der Besonderheit und der Beschaffenheit des Stoffs begeistert. Er ist weich, pflegeleicht und wasserabweisend.“

Und die Herstellung ist nachhaltig: Korkeichen können bis zu 200 Jahre alt werden, alle neun Jahre kann der Rohstoff Kork dabei gewonnen werden. Die sogenannte Korkschälung schädigt den Bäumen dabei nicht – sie trägt sogar zur Regeneration der Korkeiche bei, denn durch die Schälung erhöht sich die Kapazität der Korkeiche CO2 zu binden.

Ihre Fertigkeiten erlernte die Hobby-Design-erin erst vor ein paar Jahren, als sie eine alte Nähmaschine geschenkt bekommt und Gefallen an dem Handwerk findet. „Wie es der Zufall wollte, habe ich als Geschenk eine Herrenfliege aus Kork genäht“, erklärt Cupaiolo. „Auf einer Hochzeit wurde die Person dann so oft auf die Fliege angesprochen, dass der Plan feststand. Und so kam das Projekt ins Rollen.“

Was mit Korkfliegen für den Bräutigam begann, breitete sich schnell auch auf Accessoires für Bräute aus. So entstanden die ersten Clutches. „Später kamen durch mein persönliches Interesse auch Bauchtaschen und Schmuck hinzu“, erzählt Cupaiolo. Inzwischen spezialisiert sie sich komplett auf die Bauchtaschen. ,Verkorkst und Zugenäht’ steht für Nachhaltigkeit, liebevolle Handarbeit und die Liebe zu ein bisschen Extravaganz“, so Cupaiolo. „Alle Produkte werden vom Zuschnitt, über das Schneidern bis hin zur Verpackung handgefertigt.“

Die Stuttgarterin versucht, ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. „Korkstoffe beziehe ich nur über einen Händler am Bodensee oder auch in großen Mengen, ohne Umwege über Drittanbieter direkt aus Portugal, dem Land mit dem derzeit größten Vorkommen an Korkwäldern. Korkreste entsorge ich nicht, sondern versuche sie weiter zu verarbeiten.“

Ursprünglich kommt Cupaiolo aus dem Schwarzwald, Stuttgart ist aber inzwischen ihre zweite Heimat geworden. „Hier arbeite und lebe ich. Hier habe ich meinen Freundeskreis und gehe meinen Hobbies nach.“

Hauptberuflich ist die Hobby-Designerin als Sozialarbeiterin tätig und arbeitet mit jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen. Besonders in sozialen Berufsfeldern braucht es manchmal Abstand, Auszeiten und Ruhe. Die findet sie in der Arbeit an der Nähmaschine.

„Verkorkst und Zugenäht ist aktuell mein Hobby“, so Cupaiolo. „Manchmal stelle ich mir vor, wie genial es wäre, wenn ich beim Gang durch die Innenstadt irgendwann mal den ein oder anderen Passanten mit einer meiner Taschen entdecken würde.“     

                                                    

Verkorkst und Zugenäht [www.verkorkstundzugenaeht.de, @verkorkstundzugenaeht]

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