Unverpackt Einkaufen in der Corona Zeit - (Wie) geht das?

Keine Angst vorm Einkaufen ohne Hülle

Text: Viviana Bastone, Fotos: Ronny Schönebaum

Sagt die eine ältere Dame zur anderen: „Guck a mol, da holt sich dann jeder selber ebbes raus.“ Manch ein Schwabe steht dem Konzept des unverpackten Einkaufens noch kritisch gegenüber. Gerade jetzt könnten auf den unverpackten Lebensmitteln doch Krankheitserreger haften?

Quatsch, sagen Vanessa und Florian Uttendorfer. Seit Kurzem kann man in ihrem Unverpackt-Laden in Esslingen rein vegane Produkte „ohne ebbes“, wie der Ladenname verrät, in mitgebrachte Behälter abfüllen. Corona sorgte zwar für Lieferengpässe, inzwischen wird aber munter eingekauft.

Nur 25 Kilometer entfernt hat auch die Schorndorfer Bergerei unter der Leitung von Larissa Berger (Bild) eröffnet. Auch hier brummt der hüllenlose Handel trotz Corona.

So weit so gut, der Schwabe ist also überzeugt. Doch kann man derzeit guten Gewissens unverpackt einkaufen? Maarit Schneider-Penna, die vor einem Jahr den Unverpackt-Laden Tante M in Sillenbuch eröffnet hat, ist fast schon ein alter Hase im Geschäft und weiß: „Das Virus wird nach aktuellem Kenntnisstand der Virologen über Aerosole verbreitet. Eine Übertragung über Kontakte mit Gegenständen ist eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Wir bitten deshalb vor dem Einkauf um Händedesinfektion.“

Die Hygienestandards wurden auch in Esslingen verschärft: „Um die Leute zu schützen, gibt es zurzeit keine Selbstbedienung“, erklären die Uttendorfers. Die Kundenwaage wird nach jedem Benutzen desinfiziert. Behälter zum Abfüllen darf man aber weiterhin von zuhause mitbringen.

Es scheint ganz so, als müsste man doch nicht zur in Plastik gewickelten Gurke greifen. „Ich finde, es ist Panikmache, jetzt auf verpackte Sachen zurückzugreifen“, so Berger. Sie schafft es sogar, der Pandemie etwas Positives abzugewinnen: „Corona regt die Leute zum Nachdenken an. Sie hinterfragen, was sie wirklich zum Leben brauchen und was nicht.“ Viele gingen zurück zu den Wurzeln, hin zu den unverpackten Produkten, zu Regionalität und nahen Wegen, meint Berger. Auch Schneider-Penna berichtet von Neukunden, die sich im Homeoffice plötzlich mehr Zeit für den Einkauf nehmen. Vielleicht ist die Pandemie sogar eine Chance, dem Verpackungsmüll den Kampf anzusagen. 

 

Bergerei [Di-Fr 9:30-18:30+Sa 8- 14 Uhr, Karlstr. 3, Schorndorf, www.bergerei-schorndorf.de]

Ohne Ebbes [Di-Fr 10-18+Sa 10-16 Uhr, Unterer Metzgerbach 7, Esslingen, www.ohneebbes.de]     

Tante M [Mo-Di+Do-Fr 9-18, Mi+Sa 9-14 Uhr, Eduard-Steinle-Str. 6, S-Sillenbuch, www.tantem-unverpackt.de]

Dieser Artikel ist aus LIFT 07/20

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