LIFT präsentiert

United We Stream Stuttgart

Bald hunderttausend Euro für Stuttgarts Clubs?

Wie eine Netflix 0711-Corona-Edition: Die gesamte Stuttgarter Nachtkultur-Szene unter einem Streaming-Dach

Sie waren unter den Ersten, die den Betrieb einstellen mussten und sie werden unter den Letzten sein, die ihn wieder aufnehmen dürfen: Clubs und Spielstätten. Freitag, der 13., hätte für die Stuttgarter Nachtkultur kaum schwärzer ausfallen können. Für viele begann an jenem Tag im März mit dem Betriebsverbot der Kampf ums Überleben.

Ein paar Clubs entschieden sich sofort dazu, ihr Programm fortan zu streamen, diverse DJs und Kollektive zogen nach, aber wer soll bei den ganzen Streaming-Angeboten noch den Überblick behalten? Ein Streaming- und Spenden-Projekt aus Berlin schafft Abhilfe und soll nun Stuttgarts Clubs und Spielstätten unter einen digitalen Hut bringen: United We Stream, das in Zusammenarbeit mit Arte, der Clubkommission und dem Bündnis „Reclaim Club Culture“ ins Leben gerufen wurde, bekommt nun unter anderem in Stuttgart einen lokalen Ableger.

Auf der Plattform https://stuttgart.unitedwestream.org werden Streams regionaler Clubs und Spielstätten zur Verfügung gestellt, die von DJ-Sets, Live-Musik und Performances bis hin zu Lesungen, Diskussionen und Interviews reichen. Währenddessen kann man an das Projekt spenden, das mit dem eingenommenen Geld die Clubs, Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstaltende der Region unterstützt, außerdem gehen acht Prozent an die Stuttgarter Hilfsorganisation Stelp e.V., die mit zahlreichen Aktionen im In- und Ausland Notleidenden zur Hilfe eilt.

Das gesamte Nachtkultur-Paket auf einer Streaming-Plattform

Dass das Projekt United We Stream auch nach Stuttgart geschwappt ist, hat man dem Club Kollektiv und dem Pop-Büro zu verdanken. Unterstützt von der Wirtschaftsförderung und der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, haben sie mit den Berliner Kollegen die Köpfe zusammengesteckt und ein United-We-Stream-Konzept speziell für Stuttgart zugeschnitten: „Besonders ist bei unserer Plattform, dass wir einen Teil der Spenden auch Künstlerinnen und Künstlern direkt zukommen lassen können, acht Prozent des Erlöses gehen außerdem an die Künstlersoforthilfe“, erklärt Jule Blanck, Vorstandsmitglied und Kassenwartin des Club Kollektivs. „Wir möchten in Stuttgart möglichst viele Clubs und Spielstätten unterstützen und erhalten“, schildert sie weiter. Die treffe das Betriebsverbot besonders hart, da sie zum einen sicherlich als Letzte wieder aufmachen dürften, zum anderen die fehlenden Einnahmen nicht kompensieren könnten, indem sie nach der Krise statt nur am Wochenende, beispielsweise auch unter der Woche die Türen öffnen. Dazu käme, dass die Ersparnisse, die sie sich für das „Sommerloch“ zugelegt haben, in den kommenden Wochen zu Ende gehen. Die Reserven der Clubs und Spielstätten gehen jährlich für die niedrig frequentierte Sommerzeit drauf, in der einige gar pausieren müssen: Die meisten Gäste sind im Urlaub, auf Festivals und überall sonst, nur nicht im stickigen Club. Wenn ihnen die Corona-Krise also nicht direkt das Genick bricht, dann a posteriori.

In Berlin hat man schon 300.000 Euro eingestreamt

„In Berlin hat United We Stream bereits Millionen Klicks und 300.000 Euro eingespült“, lenkt Blanck das Gespräch wieder auf den Hoffnungsschimmer. Am Samstag, den 4. April, fällt der Startschuss: Gemeinsam mit weiteren United-We-Stream-Städten wie Hamburg, Wien, Amsterdam, Manchester und Mannheim geht Stuttgart unter dem Motto „United We Stream Global“ live. Den Anfang macht ab 20 Uhr Fridas Pier mit Live-Sets von Karotte, Anna Reusch und Konstantin Sibold. Verfolgen kann man die Live-Sets über die Arte-Homepage und den Facebook-Stream von United We Stream Stuttgart: „Das Schöne am Facebook-Stream ist, dass man mit uns und den Streamern über den Chat in Kontakt treten kann und so ein ‚virtueller Chat-Floor‘ entsteht“, sagt Jule Blanck. Außerdem werde über den Facebook-Stream auch direkt eine Spendenmöglichkeit zur Verfügung gestellt.

Am Sonntag übernimmt dann das Komma in Esslingen mit der Eventreihe „Rooftop Sessions“ das Streaming-Ruder: Ab 15 Uhr musizieren Marcus Korb, Brthr und Meike Boltersdorf, im Anschluss gibt es ab 18 Uhr Club-Sounds von den Stuttgarter DJs Alyne und Solee. Weitere Streams Stuttgarter Clubs und Spielstätten wie etwa der Schräglage sollen alsbald folgen.

 

United We Stream Stuttgart [ab 4.4. 20 Uhr, Stream und Infos auf https://stuttgart.unitedwestream.org, www.fb.com/unitedwestream.stuttgart]

 

Text: Petra Xayaphoum
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