Wie man in nur vier Wochen zum John Cranko-Experten wird, zeigt Till Derenbach eindrucksvoll. Als Produzent des neuen Films über die Stuttgart-Legende und Ballett-Choreografen stand er vor der Herausforderung, sich in kürzester Zeit in sein Leben und Werk einzuarbeiten. „Ich war schon immer theaterbegeistert, habe auch Theaterwissenschaft studiert, aber mit Ballett hatte ich vorher wenig zu tun“, erzählt Derenbach. Die Ausschreibung zur Produktion des Films gab ihm jedoch die Gelegenheit, tief in diese Welt einzutauchen. So eine intensive Auseinandersetzung machte Till Derenbach nicht nur zu einem Ballettliebhaber, sondern auch zu einem Cranko-Kenner.
John Cranko, britischer Tanzregisseur und visionärer Choreograf, war ein Meister darin, Emotionen und Themen zu erforschen, die über die Bühne hinausgehen. „Cranko hatte seine Visionen, er wollte etwas anderes als das klassische Ballett“, erklärt Derenbach. Dieses unermüdliche Streben nach Erneuerung machten ihn zu einer einzigartigen Figur in der Geschichte des Balletts und Stuttgarts.
Er prägte das Ballett in Stuttgart auf seine ganz eigene Weise, die als „Stuttgarter Ballettwunder“ bekannt wurde. Um die künstlerische Zukunft des Balletts zu sichern, erkannte Cranko 1971 die Notwendigkeit, in Stuttgart eine Schule zu gründen, die talentierte junge Tänzerinnen und Tänzer nach seinen hohen Standards ausbilden sollte. Diese Schule, die später zu seinen Ehren in John Cranko Schule umbenannt wurde, ist heute eine der weltweit führenden Ausbildungsstätten für klassischen Tanz.
Die Entstehung des Films war ein intensiver Prozess. „Die Idee stammt von Joachim Lang“, erklärt Derenbach. „Er ist gleichzeitig Autor und Regisseur, eine Doppelrolle, die entscheidend für die Tiefe des Films war.“
Lang arbeitete eng mit dem Stuttgarter Ballett zusammen, dessen aktuelle Mitglieder die Rollen der damaligen Ballettstars übernahmen und hierfür etliche Stunden Schauspielunterricht erhielten. Diese Verbindung zur Gegenwart verleiht dem Film eine besondere Authentizität. „Das Ballett plant ja langfristig, meist Jahre im Voraus“, so Derenbach. „Wir mussten dankbar für die Flexibilität aller Beteiligten sein, um diese beiden Welten symbiotisch zu vereinen.“
Stuttgart, der Ort, an dem Cranko seine größten Erfolge feierte, spielt im Film eine zentrale Rolle. Viele Szenen wurden in der Staatsoper und an anderen markanten Orten der Stadt gedreht, was die enge Verbindung zwischen Cranko und Stuttgart unterstreicht.
Der Film stellt die wesentlichen Aspekte von Crankos Kunst in den Vordergrund – Liebe, Verlust und Erneuerung. „Es ist kein biografischer Film im klassischen Sinne, sondern ein Film über Kunst und die großen Fragen des Lebens, erzählt anhand der Lebenslinie von John Cranko“, beschreibt Derenbach.
So richtet sich der Film nicht nur an BallettliebhaberInnen, sondern an alle, die sich für die Geschichte eines Mannes interessieren, der mit seiner Kunst neue Wege ging. „Es ist ein Film über die Kunst“, fasst Derenbach zusammen. „Seine Kunst. Wir tauchen tief in seine Seele ein, ohne ständig ins Gesicht zu blicken.“
Cranko [Premiere: 20.9., 19 Uhr, Opernhaus, Oberer Schlossgarten 6, S-Mitte, www.stuttgarter-ballett.de, Kino: Ab 3.10.]

