Das Stadtpalais widmet den Electro-House-Legenden eine Ausstellung

Tiefschwarz – Dance tili you popo

LIFT im Januar: Tiefschwarz-Ausstellung im Stadtpalais Stuttgart. 2 Bilder des Duos damals und heute
Stuttgart in den 90ern: Die goldene Ära der Clubkultur

Die fetten Jahre sind vorbei. So fühlt es sich zumindest an, wenn man momentan nachts durch die Stuttgarter Innenstadt spaziert und einem vor den Clubtüren keine auf- und angeheiterten Menschen, sondern nur die Wollmäuse der vergangenen Monate entgegenkommen.

Die perfekte Zeit also, sich mit einer Ausstellung zu einem von Stuttgarts legendärsten Clubs und seinen Machern (nein, es ist nicht das Rocker 33 gemeint), die goldene Ära der Clubkultur wieder ins Gedächtnis zu rufen und ein bisschen wehmütig bis melodramatisch darin zu schwelgen: Es geht um das On-U und seine Gründer Alexander „Ali“ und Sebastian „Basti“ Schwarz.

1990 war’s, als die beiden Brüder, die später als Electro-House-Duo Tiefschwarz Techno-Geschichte schrieben, das On-U auf der Theodor-Heuss-Straße eröffnet haben. Das ist so lang her, da haben die meisten Rocker-33-Fans noch im Sandkasten gespielt. Selbst Google findet nur eine Handvoll Einträge zum On-U und seinem Nachfolger Red Dog (dem heutigen Climax Institutes). „Sie haben einen Grundstein für die Stuttgarter Nachtkultur, wie wir sie heute kennen, gelegt“, betont Torben Giese, Leiter des Stadtpalais, das die Schau beherbergen wird. „Clubkultur ist daher mehr als ready fürs Museum. Das heißt nicht, dass sie antiquiert ist und dort verschimmelt“, pflichtet Ali Schwarz ihm bei. „Die Ausstellung ist da, um auch einer anderen Generation zu vermitteln, wie wertvoll die Freiräume sind, die sie in der Nachtkultur erleben: Dass Kultur onmipräsent ist und jeder daran partizipieren kann, ist nicht selbstverständlich.“  

Für die Ausstellung macht das Stadtpalais eine kleine Verwandlung durch: „Das Highlight ist die abstrakte Installation von Tobias Rehberger“, erklärt Torben Giese. Der gebürtige Esslinger Künstler, ehemaliger Stammgast der Schwarz’schen Clubs und alter Freund des Duos entwickelt gemeinsam mit ihnen ein Ausstellungskonzept, das dem On-U nachempfunden ist. „Es fungiert als Gerüst, das wir mit Inhalten füllen werden“, so Ali Schwarz.

Mittlerweile lebt das Elektro-House-Duo, das sich für unzählige Produktionen und Remixes (unter anderem für Depeche Mode und Madonna) verantwortlich zeigt, in Berlin. Ihrer früheren Wirkungsstätte Stuttgart fühlen sie sich dennoch verbunden: „Rückblickend waren das die spannendsten und coolsten Jahre, in denen wir uns als junge Erwachsene selbst verwirklichen konnten und damit auch noch Erfolg hatten“, erinnert sich Ali Schwarz. „Im Portugiesischen gibt es ein Wort, Saudade – das beschreibt das subtile warme Gefühl, das uns in Bezug auf Stuttgart ergreift.“

Aber was, wenn die Ausstellung aufgrund der Beschränkungen nicht planmäßig eröffnet werden kann? „Wir haben ein vielfäliges Programm geplant, das wir auch online präsentieren können“, so Giese. „Es wird Musik und viele Instagram-Live-Streams mit Akteuren von damals geben, die sich im On-U und Red Dog aufgehalten haben – berühmte und weniger berühmte“, lässt der Museumsleiter durchblicken. Bei der Eröffnung führen Ali und Sebastian Schwarz persönlich durch die Ausstellung: „Tanzen und Clubkultur bedeuten zwar eigentlich Berührung – wenn das nicht gegeben ist, fehlt das Essentielle – aber wir werden alles so aufbereiten, dass es trotzdem Spaß macht.“ Die fetten Jahre kommen wieder.                  

 

Tiefschwarz – Dance tili you popo [23.1. bis 18.4.2021, Stadtpalais, Konrad-Adenauer-Str. 2, S-Mitte, www.stadtpalais-stuttgart.de. Die digitale Eröffnung findet am 22.1. um 19 Uhr via Facebook Livestream statt.]

Text: Petra Xayaphoum

Dieser Artikel ist aus LIFT 01/21

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