„Protest ist nicht unbedingt nur auf die Straße zu gehen und zu schreien. Es ist auch Gemeinschaft, sich zu öffnen, verletzlich zu machen, Verständnis und Zusammenhalt zu schaffen.“ Oron Haim (Bild li.) hat sich genau das gemeinsam mit Meryem Polat (Bild re.) und dem Verein Kubus als Ziel gesetzt: Protest durch Frieden, Gemeinschaft und Austausch. Mit dem Projekt „Sukkat Salām“ möchten sie einen Ort schaffen, an dem dieser Austausch stattfinden kann. Die Sukkat ist eine jüdische Laubhütte, Salām bedeutet „Frieden“ auf Arabisch. Eine Laubhütte des Friedens soll also erbaut werden, zunächst auf dem Marienplatz. Jüdische und muslimische GastgeberInnen laden ein, vom 19. bis 25. Mai – ganz unabhängig von Herkunft oder Glaubensrichtung.
Ein Holzgestell mit Gerüstkomponenten wird aufgebaut, in dem das ganztägige Bildungs- und Kulturprogramm stattfindet. Vormittags gibt es ein Bildungsangebot für Schulen, nachmittags wird die Sukka zum offenen Begegnungsraum für alle. An den Abenden dreht sich alles um Kunst und Kultur – mit Musik, Theater, Film und Programmpunkten lokaler AkteurInnen. Im Fokus steht das Miteinander. Ziel ist auch, eine gewaltfreie Gesprächskultur zu fördern, beispielsweise durch moderierte Streitgespräche, Erzählungen und Diskussionen. Die Teilnahme ist an allen Tagen kostenfrei, Spenden sind willkommen.
Nach der Eröffnung auf dem Marienplatz ist geplant, die Sukka bis September nochmal für je eine Woche an drei weiteren Standorten aufzubauen: Voraussichtlich an der Universität Stuttgart, in Ludwigsburg und Zuffenhausen. Auch in den kommenden Jahren wollen sie das Projekt erweitern, beispielsweise nach Backnang und Fellbach. „Wir wollen die Menschen vor Ort abholen, wo sie gerade sind“, erklärt Haim.
Gefördert wird das Projekt durch die Bürgerstiftung Stuttgart, den Kommunalverband Jugend und Soziales und die Leibinger Stiftung. Bis Ende 2028 ist die Finanzierung gesichert – ob das Projekt bis dahin auch tatsächlich weiterläuft, hängt auch vom Rückhalt der Bürger-Innen ab. „Wir suchen immer Unterstützung – sowohl finanziell als auch von Menschen und Vereinen, die das Programm an den Standorten mitgestalten wollen“, so Haim. Dabei sei nur wichtig, dass ein Bezug zu den Themen Antimuslimischer Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung und interkultureller Austausch besteht.
„Wir wollen Menschen in den Mittelpunkt stellen. Wir sind vielfältig. Wir sind Teil einer Gesellschaft.“ Haim hat jahrelang Projekte in der jüdischen Gemeinde Stuttgart und später im gemeinnützigen Verein Kubus mitgestaltet. Ein Verein, der sich für kulturelle Vielfalt und Begegnung einsetzt. „Da fiel mir auf: Das sind immer die selben Gesichter. Das sind die, die es schon verstanden haben. Aber das multiperspektivische Denken muss bei der Mehrheitsgesellschaft ankommen.“
Wichtiger Katalysator dafür: Austausch und Begegnungen. Sie schaffen Verständnis und Zusammenhalt. Das Projekt soll verbinden und Zuversicht in diese durch Kriege und Krisen geprägte Zeit bringen. „Allein können wir gar nichts schaffen, aber wenn wir uns zusammenschließen, dann gibt es ein Stück Hoffnung.“
Sukkat Salām [19.-25.5., Marienplatz, S-Süd, www.kubusev.org, @sukkat.salaam]

