Der Letzte macht das Licht aus

Schlossführer Edmund Banhart verabschiedet sich nach 20 Jahren

Seit 20 Jahren führt der 85-jährige Edmund Banhart schon durch das nächtliche Residenzschloss Luswigsburg – Ende Dezember wird er seine letzte Führung geben.

Foto: Luccia Koehnlein

1.300 LED-Lampen erhellen die Kronleuchter des Residenzschlosses Ludwigsburg. Den größten davon zieren über 6.000 Glassteine aus dem 17. Jahrhundert. Wenn Edmund Banhart durch die Gänge des Barockschlosses führt, kann es schon mal technischer werden. Bei seiner Abendführung „Kronleuchter und Augenfunkeln“ erlebt man die Räumlichkeiten im Dunkeln, nur die hell erleuchteten, mit Gold und Glas verzierten Kronleuchter funkeln durch die großen Fenster nach draußen. Seit 20 Jahren führt der 85-jährige schon durch das nächtliche Schloss – Ende Dezember wird er seine letzte Führung geben.

Als wir uns mit Banhart am Haupteingang treffen, ist gerade die Sonne untergegangen. Die hohen Mauern sind in blaues Licht getaucht, vor einem der großen Torbögen steht ein älterer Herr mit schwarzem Umhang und Dreispitz-Hut, in der Hand hält er eine Laterne. Kurz vorher hatte ihn die Pfarrerin gebeten, für den einzigen Gottesdienst, der in diesem Jahr in der Schlosskirche stattfinden wird, das Licht anzuschalten. Im letzten Jahr hatte sie ihre Predigt im Dunkeln halten müssen.

Dass sie dafür Banhart fragt, ist kein Zufall: Bevor er als Schlossführer gestartet hat, war er lange Jahre als Handwerker im Haus unterwegs. Im April 1953 begann er mit 13 Jahren seine Lehre bei einem Elektriker, der bei Bedarf ins Schloss gerufen wurde. Allerdings waren damals alle Kronleuchter noch mit Kerzen bestückt. Elektrisches Licht? Fehlanzeige. Als sich Banhart später dann als Meister selbstständig machte, führten ihn verschiedene Aufträge immer wieder zurück ins Schloss. „Ich war dabei, als man im Theater zum ersten Mal Licht eingebaut hat. Wir haben das Theater wieder theaterfähig gemacht“, sagt Banhart. „Und auch die Kirche habe ich komplett elektrisch eingerichtet. Damit waren wir wochenlang beschäftigt.“ Die Arbeit habe sich für ihn aber immer gelohnt, weil man am Ende sehen könne, was man alles geschafft hat. Oder „weil’s Licht brennt“, wie Banhart sagt.

Als dann Anfang der 2000er der neue Hauptbau des Schlosses elektrifiziert und alle Kronleuchter mit elektrischem Licht ausgestattet werden sollten, wird wieder Banhart gerufen. „Dafür haben wir Backofenbirnle genommen. Weil die ein warmes, nicht zu helles Licht geben, das dem der Kerze entspricht“, erklärt er. „Und dann hab ich zum Schlossverwalter gesagt: Die erste Nachtführung, die mach ich! Denn so schön, wie das Schloss jetzt bei Nacht aussieht, das muss ich den Leuten zeigen.“ Und so wurde der Elektriker zum Schloss­­­­-führer.

Banhart überlegte sich Text und Inhalt der Führungen selbst. Mit Jahreszahlen um sich zu werfen hält er für unnötig – technische Fakten und Infos zur Elektronik kamen bei ihm allerdings immer zum Einsatz. Mittlerweile wurden die Backofenbirnle durch moderne LEDs ersetzt und bis Ende November dieses Jahres hat der Ludwigsburger in 1.213 Führungen 25.885 Menschen durch das Schloss begleitet. Dass ihm das viel Freude bereitet, merkt man. „Aber ich bin jetzt 85 Jahre alt, da muss man auch irgendwann mal sagen ‚jetz isch guad‘.“ Am 27. Dezember wird Edmund Banhart zum letzten Mal durch die erleuchteten Räume führen und von Backofenbirnle erzählen. Und wenn er dann die Kronleuchter gelöscht, die schweren Türen hinter sich verschlossen und den großen, alten Schlüsselbund abgegeben hat, wird man im Schloss vielleicht ein Licht weniger zählen.          

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