Die Öko-Bilanz der Rose lässt zu wünschen übrig: Tipps für den Blumen-Kauf

Rosen zum Valentinstag

Ein Meer an Rosen
Text: Isabel Mayer, Foto: Ed Robertson/Unsplash.com

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 2019 mehr als eine Milliarde Rosen aus den Niederlanden nach Deutschland importiert. 300 Millionen Rosen wurden dagegen aus Kenia eingeflogen. Was nachhaltiger ist? Die Niederlande – möchte man meinen.

Doch obwohl das Blumenparadies aus dem Norden kürzere Transportwege nach Stuttgart hat, hat die Rose aus Holland einen höheren CO2-Verbrauch als die aus Kenia. Denn um gedeihen zu können, mag sie es warm. Gewächshäuser in Holland müssen deshalb besonders in den Wintermonaten stark beheizt werden – und stoßen enorm viel CO2 aus.

Martin Escher von Rosen-Escher in Waiblingen würde sich trotzdem immer für die holländische Blume entscheiden: „Allein schon wegen der Arbeitsbedingungen und der Umweltstandards. In Kenia werden zum Beispiel Spritzmittel eingesetzt, die in Europa nicht zugelassen sind.“

Hinzu kommt der Wasserverbrauch: Die Hitze verlangt den Rosen einiges an Wasser ab. „In den letzten Jahren trockneten deshalb in Kenia immer wieder Seen aus oder es kommt zum Fischsterben“, sagt Escher.

Er selbst pflanzt seine Rosen in den Gewächshäusern des Familienbetriebs in Waiblingen an und legt viel Wert auf den biologischen Pflanzenschutz: „Wir setzen unser Augenmerk auf Nützlinge. Für jeden tierischen Schädling haben wir einen Gegenspieler, der die Schädlinge auffrisst.“

Für die Bewässerung seiner Rosen greift Escher auf die natürlichste aller Quellen zurück: „Wir haben große Regenrückhaltebecken. So können wir bis zu zwei Millionen Liter Regenwasser speichern“, erklärt der Gärtner. Von Waiblingen aus gelangen Eschers Rosen auf den Stuttgarter Großmarkt. Frischer und nachhaltiger geht’s kaum – auch wenn im Winter geheizt werden muss.

Weil sie günstiger sind, wird trotzdem häufig zur kenianischen Rose gegriffen. Wer beim Kauf aufs Fairtrade-Siegel setzt, kann immerhin von vertretbaren Arbeitsbedingungen ausgehen – nachhaltiger ist letztlich trotzdem die europäische Rose.

Seit der Pandemie hat sie auch wieder eine Chance auf dem umkämpften Markt: „Der Flugtransport ist teurer geworden und die billigen Preise der afrikanischen Rosen können sich nicht halten.“

Währenddessen steigen die Temperaturen in Europa. „Es muss weniger geheizt werden“, bestätigt auch Escher. Eigentlich eine Win-Win-Situation für regionale Blumenhändler – wäre nicht der Klimawandel der traurige Grund für die ansteigenden Temperaturen.            

Dieser Artikel ist aus dem Sonderthema "Natürlich Nachhaltig"

(LIFT-Ausgabe 09/20)

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