Die Kulturszene in Deutschland steht unter Druck. Der Haushaltsentwurf 2025 der Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat für Unruhe gesorgt: Die sechs Bundeskulturfonds sollen nächstes Jahr nur rund die Hälfte der Mittel im Vergleich zu 2024 erhalten. Ein Einschnitt, der bei vielen Besorgnis ausgelöst hat. Und auch in Stuttgart muss laut Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann künftig kräftig gespart werden.
Mit Blick auf Berlin wird zudem klar, wie auch drastische Einsparungen auf Landesebene die Kulturszene gefährden können: Der Berliner Senat plant, im Kulturbereich 130 Millionen Euro zu streichen. Dass alle den Gürtel gerade etwas enger schnallen müssen, ist in der aktuellen Situation den meisten klar. Die Berliner Kultur ist hier allerdings überproportional betroffen. Die Folge: Theater, Museen und Opernhäuser bangen um ihr Fortbestehen, Arbeitsplätze werden weggekürzt. Obwohl es gerade die Kultur ist, die Menschen in schwierigen Zeiten Trost spenden kann.
Die Einsparungen zeigen, wie finanzielle Engpässe an die Substanz der kulturellen Vielfalt gehen können. Was unweigerlich die Fragen aufwirft: Wie sieht die Lage in Stuttgart aus? Sind auch hier Kürzungen zu erwarten? Was wird davon betroffen sein? Und was bleibt eigentlich, wenn Kultur fehlt?
Noch eines vorweg: Ein wichtiger Unterschied in der Kulturförderung liegt zwischen institutioneller Förderung und Projektförderung. Während auf Bundesebene vor allem Projektförderungen dominieren, wird die institutionelle Förderung überwiegend von Ländern oder Kommunen bereitgestellt.
Zumindest bisher gibt es erstmal Entwarnung: Anders als in Berlin, sind in Stuttgart bislang keine direkten Kürzungen bekannt. Hier erfolgt die Förderung kultureller Einrichtungen über das Kulturamt, das bislang für stabile Basisfinanzierungen sorgt. Zusätzliche Projektmittel werden oft durch Drittmittel von Bund oder Land ergänzt. In den letzten Jahren konnte die Vielfalt der Kulturlandschaft durch regelmäßige Mittelerhöhungen gesichert werden. Doch mit steigenden Kosten und knapperen Budgets könnten sich bald auch in Stuttgart die Spielräume verengen.
Das Kulturamt Stuttgart erklärt: „Die durch das Kulturamt zu leistende globale Minderausgabe in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro in 2025 wird einmalig keinen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der kulturellen Angebote haben. Die konkreten Auswirkungen der momentanen Haushaltslage auf die Planungen 2026/27 sind jedoch noch nicht abzusehen.“ Wie lange diese Stabilität noch anhält, bleibt also ungewiss.
Doch was sagen die Betroffenen aus der Kulturszene dazu? Ein Streifzug durch die Stuttgarter Kulturstätten zeigt: Die Lage ist uneinheitlich. Während manche Einrichtungen auf solide Füße gestellt sind, kämpfen andere mit knappen Budgets und ungewissen Zukunftsaussichten.
Die Schauspielbühnen Stuttgart, bestehend aus dem Alten Schauspielhaus und der Komödie im Marquardt, zählen zu den kulturellen Aushängeschildern der Stadt. Mit rund 600 Veranstaltungen pro Jahr und einem Team von nur 70 Mitarbeitenden zeigen sie, wie effektiv Kulturarbeit sein kann. „Wir hatten schon immer ein sehr gutes Verhältnis von Eigeneinnahmen zu Fördermitteln“, erklärt Intendant Axel Preuß.

