Ich bin ein Feierbiest!

Vorhang auf für die Partygänger, die jeder kennt

Manchmal muss es einfach raus, das Klischee in uns. Manchmal auch um zwölf Uhr nachts, wenn man eigentlich nett feiern wollte, aber das eine Bier zu viel im Kopf entscheidet, dass es allerhöchste Zeit ist, seinen Mitmenschen jetzt so richtig auf den Sack zu gehen. 

Das Frühaufsteher-Pärchen

Was die Beiden nie zugeben würden: Sie kommen nur aus schlechtem Gewissen. Sie waren ja schon bei der letzten Party nicht dabei, und bei der vorletzten und der vorvorletzten... Einer von beiden schaut immer genervt auf die Uhr, während der andere sich eigentlich köstlich amüsiert. Ist die Höflichkeitszeitspanne abgelaufen, verkündet die Spaßbremse „Wir gehen dann jetzt auch mal, wir müssen morgen früh raus“ und entschwindet, seine Nummer zwei im Klammergriff, in die Nacht. Die Wahrheit: Sie haben’s nur noch nicht geschafft, die letzte GNTM-Folge anzusehen und knallen sich jetzt vor die Glotze. Zonk!

Der Junggesellenabschied

Beknackte Verkleidungen beim Junggesellenabschied sind Pflicht. Zumindest glauben das „Team Bride“, die „Bräuti-Gäng“ und sämtliche Teilnehmer von „Fabsi Müllers Abschiedstour“. Ob man sich dabei ‘ne Druckbetankung geben und Bierdosen gegen die Möhre zimmern muss (einfach mal „canhead“ googeln)? „Na sichi“, sagen sie und berufen sich dabei auf das ungeschriebene JGA-Gesetz von Amarschderheide Anno 2001. Das Gute für alle Außenstehenden: Man erkennt sie schon von Weitem und kann rechtzeitig flüchten.

Der Trinkschwache

Er geht nicht oft feiern, er trinkt auch nicht viel und kaum hat er sein Bier nur angeschaut, schon ist er voll wie zehn Kutscher. So richtig weiß man nicht, was zuerst da war: Die Alkohol- oder die Partyunverträglichkeit. In jedem Fall hilft beim Trinkschwachen nur eins, wenn er an seine Grenzen stößt: Wasser rein, ab ins Taxi. Wer zu spät ist, den bestraft die Magenkontraktion.

Der Beischlaflose

...will seinen Zustand schnellstens ändern. Und das merkt man. Dass Verzweiflung nicht das beste Aphrodisiakum ist, ist ihm Latte. Kaum den Raum betreten, sind die Freunde vergessen und der Club wird nach infrage kommenden Übernachtungspartnern abgescannt und nach Potenzial sortiert. Lucky Number one hat’s früh am Abend hinter sich, schlimm wird’s für Nummer elf, die er nach zehn spendierten Drinks am Tresen vollschwallt.

Das Drama-Pärchen

Die Welt ist eine Bühne. Soviel zum Weltverständnis dieses Pärchens. Das Stück, das am häufigsten läuft: irgendwas mit lautem Geschrei. Die Gründe hierfür: vielfältig. Mal hat der eine jemand anderen angeguckt, manchmal auch nur zu tief ins Glas. Bis zur nächsten Party haben sie sich wieder versöhnt. Leider nur, um ein anderes Drama aus ihrem Repertoire aufführen zu können. The Show must go on!

Ren McCormack

Er sieht sich als Tänzer, die anderen nicht. Dass sich um ihn ein Kreis auf der Tanzfläche bildet, interpretiert er als Aufforderung, weiter zu “performen“. In Wahrheit will einfach keiner seinen Fuß im Gesicht haben. Denn der vermeintliche Kevin Bacon aka Ren McCormack tanzt so expressiv, als sei es der letzte Take vom wilden Tanzstreifen „Footloose“. Da gibt’s nur zwei Möglichkeiten: aus dem Weg gehen – oder mitabspacken.

 

Der Coole

Tanzen? „Machen doch nur Spastis.“ Quatschen? „Ist was für Schwätzer.“ Lachen? „Es gibt doch nichts zu lachen heutzutage.“ Der Coole macht’s einem nicht leicht. Für den „oberflächlichen Spaß“, den man auf Partys hat, ist er halt einfach viel zu lässig, jeglicher Versuch ihn in die Gruppe zu integrieren, lässt ihn kalt. Viel lieber steht er regungslos in der Ecke, raucht eine nach der anderen und holt sich einen darauf runter, wie lächerlich die ganze Veranstaltung ist. Selbst Schuld. 

Die Ballerina

Alle schmeißen, keiner fängt. Partydrogen sind keine Smarties, das sieht die Ballerina – männlich wie weiblich – aber anders. 50 Prozent des Abends hängt sie auf der Toilette rum und friemelt Pillen aus den dunkelsten Ecken ihrer Klamotten, die andere Hälfte tanzt sie in anderen Sphären zu einem Beat, den außer ihr keiner hört. Das kann gefährlich werden. Der Stuttgarter Verein Take setzt sich für ein sicheres Nachtleben ein, informiert über Drogenkonsum und berät Hilfesuchende. [www.take-stuttgart.de]

Der Franzos’

Die einen kennen ihn als der, der „den Polnischen macht“, die anderen als „den Franzos’“ – gemeint ist diese eine Person im Freundeskreis, die im Laufe des Abends einfach kommentarlos verschwindet. Jedes. Mal. Sie hat dabei keine bösen Absichten, folgt ab einem gewissen alkoholischen Pegel aber einfach nur ihrem Instinkt und der schreit ganz laut „schlafen!“. Immerhin folgt die Entschuldigung immer prompt am nächsten Morgen.

Das „Geburtstagskind“

...weiß, was DJs am liebsten hören: „Darf ich mir einen Song wünschen?“ Das Beste: Eigentlich hat das Geburtstagskind gar keinen Geburtstag, verhält sich aber, als hätte man auch an allen anderen 364 Tagen im Jahr einen Wunsch frei. Nach diesem Credo flattert ein Song-wunsch-Zettel nach dem anderen auf das DJ-Pult, manche davon doppelt und dreifach. Man wird sich ja wohl noch was wünschen dürfen?! Memo an dich, Habibi: Der DJ ist keine Jukebox.

Text: Petra Xayaphoum, Illustrationen: Duke Nguyen

Dieser Artikel ist aus LIFT 03/20

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