Die neue Lieferdienstplattform "0711liefert.de" setzt auf Fairness

Spätzle ohne Abzocke

Text und Foto: Tanja Kuzmenko

Ein ganzes Festmahl per Klick – nie war es einfacher, an Schmackhaftes zu kommen. Zu verdanken haben wir diese Bequemlichkeit nicht zuletzt Online-Lieferdiensten wie Lieferando. Seit das Unternehmen deutschlandweit konkurrierende Plattformen nach und nach geschluckt hat, stehen hungrige Kunden wie auch Restaurants, die ihre Speisen darüber anbieten, alternativlos dar. Pro abgewickelte Bestellung erhält der Lieferdienstgigant eine Provision von 15 Prozent des Bestellwerts – wird der von Lieferando bereitgestellte Lieferservice genutzt, werden satte 30 Prozent fällig. Gerade in der Corona-Krise, die Restaurantbetreiber hart trifft, schmerz diese Zahlung besonders. 

Um lokalen Gastronomien eine faire Alternative zu bieten und sie in dieser prekären Situation nicht zusätzlich mit Provisionszahlungen zu belasten, haben einige Stuttgarter Gastronomen kurzerhand die Plattform „0711liefert.de“ errichtet. „Die Idee ist aus der Notlage heraus entstanden“, sagt Armen Shala, einer der Geschäftsführenden der Schräglage, die das VfB-Clubrestaurant betreibt und sogleich bei der Plattform eingestiegen ist. Die Idee stammt von Unternehmer Timo Weltner, „der die Plattform für die Stuttgarter Gastronomen aufbauen wollte, um die Szene zu stärken“, so Shala, der ihn bei dem Vorhaben unterstützt. Dadurch sollen vor allem auch Gastronomien aus der Innenstadt, die bisher einen Bogen um Lieferando gemacht haben, ihren Liefer- oder Abholservice bewerben können. „Grundsätzlich kann jeder mitmachen, wir sind im Moment nicht zu wählerisch. Jedoch gehen wir aktiv auf bestimmte Lokale zu, die ‚typisch Stuttgart‘ sind.“

Zu den ersten im Boot zählen „OhJulia“ und „I love Sushi“. Die teilnehmenden Gastronomien bieten entweder bereits einen Lieferservice an, oder stellen ihn ausschließlich über 0711liefert.de zur Verfügung. Für die Lieferung sind die Gastronomien selbst zuständig, wer sie nicht bewerkstelligen kann, etwa wegen dem zusätzlichen Personalaufwand, begrenzt seinen Service auf den Abholdienst. „Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass ein zentraler Lieferdienst in Zukunft entwickelt wird“, so Shala. 

Während sich die Plattform noch im Aufbau befindet und die Anmeldung und Mitgliedschaft bislang für Anbieter kostenfrei bleibt, muss ab dem 1. Juli eine Gebühr entrichtet werden. Dann kommen zu den einmaligen 399 Euro für die Installation monatlich 100 Euro für die Mitgliedschaft und 29 Euro für das Shop-System hinzu. Für jeden über die Seite erzielten Umsatz zahlt der Gastronom eine Provision von 2,5 Prozent an 0711liefert. Ein Ausstieg ist jeden Monat möglich. Den Mindestbestellwert oder die Höhe der Liefergebühren legt das Lokal selbst fest. „Die Teilnahme hilft diese schwierige Zeit zu überbrücken und zudem gerät man dadurch nicht in Vergessenheit“, verspricht Shala.

Für Nutzer der Plattform, wie die Gastronomie der Schräglage, hält sich der Aufwand für die Betreuung des Angebots auf der Plattform gering: „Alles lässt sich einfach über die Seite oder App steuern. Wir mussten lediglich die Online-Speisekarte auf Lieferverträglichkeit anpassen. Was bei der Lieferung an Qualität verliert, wird als Lieferoption nicht angeboten.“

Auch wenn die Corona-Lage den Bedarf einer Sammelstelle für lokale Essenslieferungsangebote erst erzeugte, planen die Macher langfristig. „Das Konzept soll Restaurantbetreibern auch nach der Krise zusätzliche Einnahmen ermöglichen.“ Auch hier bewahrheitet sich: Eine Krise ist auch eine Chance.

 

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