Vier neue Artspaces in Stuttgart und Region

Foto: Ronny Schönebaum

Design trifft Kunst

Als eine Fusion aus Galerie, Design­­­studio und Concept Store beschreiben Ann-Kathrin Eisenbarth und Alexander Klein ihr neues Studio Perg, das vor kurzem in Ludwigsburg eröffnet hat.

Eisenbarth arbeitet als Designerin im Bereich Textil- und Automobildesign sowie Materialentwicklung. Klein hat sich auf Produkt-, Möbel- und Interior Design spezialisiert. Ihre beiden Büros, AE Studios von Eisenbarth und Studio Creative Underdogs von Klein, finden in der Ludwigsburger Location zusammen.

Und warum Perg? „Mit Blick auf die Location in der Asperger Straße ist der Name Perg als Teil des Straßennamens entstanden“, lacht Eisenbarth. „Gegenüber unseren beiden Studios ist Perg aber ein eigenständiges Projekt, ein Offspace für Kunst und Workshops.“

Neben Designservices sind dort eine Reihe von Pop-up-Galerie-Events geplant, bei denen die MacherInnen Artist Talks, Vorträge oder Workshops zu Kunst-Themen, Materialentwicklung und Trendrichtungen anbieten. „Wir wollen einen Networking-Space schaffen, wo sich sowohl Leute aus der Indus­trie als auch KünstlerInnen und Interessierte treffen, die sich sonst nicht über den Weg gelaufen wären“, so Eisenbarth.

Als erster Künstler ist der Mannheimer Veit Schmidtleitner mit seiner Schau „Orbit Odyssey“ zu Gast. Er ist Entwickler und Forscher für die Nasa und BASF und beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Technologien, Materialien und deren Fertigung über ihre ursprüngliche Verwendung hinaus. So entstehen Skulpturen und Gemälde aus Pigmenten, Lack und Aluminium.

Neben Kunst und Design soll’s bei Perg in Zukunft auch KünstlerInnen-Merch und limitierte Produkte wie etwa Kleins selbstdesignte Möbel geben.

 

Perg [Asperger Str. 12, Ludwigsburg, Di, Do+Sa 10-15 Uhr+n. Vereinb., www.instagram.com/perg_634]

Foto: Ronny Schönebaum

Austausch und Upcycling

Die Stuttgarter Neckarstraße ist bisher vor allem für zwei Dinge bekannt: Feinstaub und Verkehrslärm. Das soll sich ab April ändern, denn dann eröffnet der Artspace Necktar dort seine Tore.

„Zum einen spiegelt der Projektname die Neckarstraße wieder, zum anderen spielt der Name auf Nektar an. Damit assoziiere ich, dass sich etwas entwickelt, dass ein kreativer Austausch stattfindet“, erklärt Frederik Laux, Gründer des Projektraums und selbst Fotograf und Künstler. Unterstützt wird Laux von seiner Frau Julia und seinen Weggefährten Heiko und Roger.

Für die 180 Quadratmeter großen Räumlichkeiten schweben Laux verschiedene Nutzungsmöglichkeiten vor: „Die Räume sollen für alle offen sein. Man soll hier Kunst anschauen, aber auch Kunst kaufen können. Auch Performances und Veranstaltungen wie etwa Lesungen wird es geben.“

Ein Thema des Kunstraums ist das Up- und Recycling. „Wir versuchen das Material, das da ist, wieder zu beleben“, erklärt der Künstler. „Für meine Lichtskulptur habe ich beispielsweise alte Kugel-Straßenlaternen von der Stadt Stuttgart abgestaubt.“

Die Kunstformen, die es ins Necktar schaffen, sind also vielseitig: Laux selbst stellt auch Malereien und Fotografien seiner Reisen nach Afrika und Mexiko, die sich mit dem Thema Müll beschäftigen, aus. „Daneben möchte ich junge KünstlerInnen supporten und ihnen die Räume zur Verfügung stellen“, so Laux.

Jeden letzten Freitag im Monat schenken JungwinzerInnen aus Stuttgart und der Region ihre Weine aus. Auch beim Opening gibt’s Wein und DJ-Mucke auf die Ohren.

 

Necktar_ [Neckarstr. 127, S-Ost, www.instagram.com/necktar127, Eröffnung: 2.4. 15-22 Uhr; 3.4. 11-17 Uhr]

Foto: Ronny Schönebaum

Farbenfrohe Fantasiewelten

Kräftige Farben, großformatige Bilder und viel Fantasie: Das erwartet BesucherInnen, die im Studio Farbenfroh im Stuttgarter Westen vorbeischauen.

Die Stuttgarterin Sonja Biedermann zeigt dort Gemälde ihrer Mutter, der Künstlerin Carola von Gera. Biedermann ist es wichtig, ihr Studio nicht in die Reihe klassischer Galerien einzuordnen. „Ich habe für die Räume noch kein klares Konzept. Ich möchte sehen, was sich entwickelt und wohin die Reise geht“, so die Stuttgarterin.

Unter den Werken an den Wänden gibt’s großformatige aber auch kleinere, farbenfrohe Ölmalereien, die sowohl Fantasiewelten als auch die Architektur, den Menschen und dessen zwischenmenschliche Beziehungen künstlerisch in den Blick nehmen. „Man findet darin auch viel Historisches sowie Einflüsse aus Sagenwelten und dem Theater“, so Biedermann.

Die Exponate im Studio wechseln monatlich und stehen auch zum Verkauf. Die Specials: ein Wandkalender sowie Tassen, bedruckt mit Werken der Künstlerin.

Das Farbenfroh [Gutbrodstr. 2, S-West, vorerst Sa 13-17 Uhr, www.dasfarbenfroh.de]

 

Foto: Ronny Schönebaum

Kunst und Wissenschaft vereint

Was Neues im Westen: Ab April widmen sich die beiden Künstler­innen Barbara Karsch-Chaïeb und Stephanie Bothe im neuen Kunst- und Projektraum Kunst [ ] Klima den Schnittpunkten von Kunst, Wissenschaft, Klima und Wirtschaft.

„Im ersten Jahr laden wir regionale KünstlerInnen ein, die sich mit den Themen Klimawandel, Wasser, Erde, Biologie, Chemie und weiteren Themen in diesen Bereichen auseinandersetzen“, so Karsch-Chaïeb. Passend dazu soll es Vorträge, KünstlerInnengespräche und Vernetzungen mit hiesigen und überregionalen Ateliers und Institutionen geben.

Für diese vielseitige Verknüpfung steht auch das Leerzeichen im Namen des neuen Artspaces, wie die Künstlerin erklärt. „Wir möchten das Team-Work zwischen den Institutionen in Stuttgart fördern.“

Zur Eröffnung gibt’s Installations- und Collagenkunst der Stuttgarter Künstlerin Evangelia Ntouni zu sehen.

Kunst [ ] Klima [Breitscheidstr. 104A, S-West, n. Vereinb., Tel. 0151/40 38 54 02, www.instagram.com/kunst.klima, Eröffnung: 8.4. 19:30 Uhr]

Dieser Artikel ist aus LIFT 04/22

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