Eine Weltbühne im Hinterhof

Nelly Eichhorn – Die Frau hinter dem Theater am Olgaeck

Versteckt in einem eher düsteren Hinterhof am Olgaeck schlummert ein Ort, den man hier nicht erwartet: das Theater am Olgaeck. Wir haben Nelly Eichhorn, die Frau hinter dem Ort für internationale Kleinstkultur, zum Gespräch getroffen.

Foto: Ronny Schönebaum

Versteckt in einem eher düsteren Hinterhof am Olgaeck schlummert ein Ort, den man hier nicht erwartet: das Theater am Olgaeck. Oder auch „Nelly’s Puppentheater“, wie es in roten Lettern über der Einfahrt steht. 2003 startete Leiterin Nelly Eichhorn hier mit einem Kinderprogramm – über die Jahre wurde daraus mehr. Doch wer ist die Frau hinter dem Ort für internationale Kleinstkultur?

„Ich bin die überqualifizierteste Putzfrau in Stuttgart“, lacht Eichhorn – so beschrieb es mal ein Bekannter. Sieben Fremdsprachen beherrscht sie,  hat Theaterwissenschaften studiert und einen internationalen Lebenslauf mit Stationen im Bereich Dokumentarfilm in ihrem Geburtsland Georgien und als Radio-Journalistin in Berlin. Nun schwingt sie den Besen, steht hinterm Verkaufstresen und sowieso hinter allem, was in ihrem Theater passiert: vom Programm übers Marketing bis hin zu eigenen Produktionen, bei denen sie Regie führt. Über viele Jahre hinweg ist das Theater am Olgaeck zu einem Nährboden und Austragungsort für Amateurtheater geworden – und das über die Grenzen des Ländles und Deutschlands hinaus. 

Das beweist auch die achte Ausgabe des „Internationalen Amateur Theater Festivals“ (Amafest), das Eichhorn 2019 zusammen mit  Lehrer und Theaterschaffendem Gustav Frank gründete. Vom 11. bis 14. Juni finden sich freie Theatergruppen aus aller Welt bei ihr ein – dieses Jahr aus Estland, Georgien, Polen, Kroatien, Italien, der Ukraine und Wales. Amateurtheater, findet Eichhorn, ist eine der wichtigsten Formen von Theater: „Die freie Szene kann viel schneller auf Veränderungen in der Gesellschaft reagieren.“ Große Häuser seien auch wichtig, aber der Austausch stehe in ihrem Theater noch mehr im Vordergrund: „Hier ist man ganz nah an den Kulturschaffenden dran. Oft bleiben die DarstellerInnen und sprechen nach der Vorstellung mit den Leuten, sind Teil der Diskussion.“

Das Festival – und das Theater an sich – sollen Orte sein, an denen man voneinander lernt: „Gerade Amateure haben es schwer, eine Bühne zu finden und ohne Mittel etwas aufzubauen.“ Umso wichtiger sei es, sich zu vernetzen. „Amateur“ klinge oft abwertend, dabei sei da viel Herzblut dabei – nur eben wenig bis kein Geld. Das sei aber ohnehin nicht ihr Motivator: „Ich mache die Arbeit, weil ich sie wichtig finde“, betont Eichhorn. Gerade jetzt, da Vereinsamung und gesellschaftliche Spaltung immer größer würden. „Wir sind nicht nur Theater, sondern ein soziokultureller Ort, und offen für alle.“

Dieses Engagement wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach gewürdigt. 2022 von der Stadt Stuttgart mit der Stauffermedaille und jüngst mit einer Medaille für internationale europäische Beziehungen durch die litauische Regierung. Zur Verleihung kann Eichhorn aber leider nicht kommen, da richtet sie gerade das Afrika Filmfestival aus. Dann gibt es noch das Roma-Fest, die Georgischen Filmtage, diverse Theateraufführungen und neuerdings auch  Stand-up-Comedy in verschiedenen Sprachen – das macht rund 290 Veranstaltungen im Jahr. Finanziell bleibt Eichhorn am Ende dennoch weniger als Mindestlohn, sagt sie. „Aber wenn ich sehe, wie glücklich die Menschen aus den Vorstellungen gehen, dann will ich das gegen kein Geld der Welt tauschen.“             

Theater am Olgaeck [Charlottenstr. 44, S-Mitte, www.theateramolgaeck.de, @theateramolgaeck, Amafest: 11.-14.6.]

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