Die Internationale Bachakademie Stuttgart und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK) haben gemeinsam einen „fahrbaren Konzertsaal“ entwickelt: ein mobiles Klanglabor, das Musik auf vielfältige Weise für die unterschiedlichsten Zielgruppen erfahrbar machen soll. LIFT hat mit Felix Thiedemann, dem Leiter der Musikvermittlung der Bachakademie, über das kürzlich eingeweihte „Klangmobil“ gesprochen.
LIFT Was bietet das Klangmobil?
Felix Thiedemann Zunächst einmal ist das Klangmobil ein Studio, das Musik unmittelbar erlebbar machen kann – anders als ein einfaches Wiedergabegerät. Durch das verbaute Soundsystem wird der Klang beinahe körperlich spürbar. Diese Technik erlaubt es uns, ein besonderes Vermittlungsprogramm darum herumzubauen.
LIFT Wer hatte die Idee für das Klangmobil?
Thiedemann Impulsgeber war unser Akademieleiter Hans-Christoph Rademann, der vor zwei Jahren die Idee hatte, ein niedrigschwelliges Vermittlungskonzept zum mobilen Einsatz an Schulen zu schaffen. Treibende Kraft der Projektentwicklung waren meine Vorgängerin Simone Haas und Prorektor Matthias Herrmann von der HMDK. Entscheidend für die audiovisuelle und technische Umsetzung ist Arne Morgner, ebenfalls von der HMDK, mit Unterstützung unter anderem vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
LIFT Wie verlief die Planungsphase?
Thiedemann Simone Haas hat ein Team von ExpertInnen gebildet, die aus den Bereichen Audiotechnik, Innenarchitektur, Fahrzeugkonfiguration, schulische Bildungsentwicklung und Hochschuldidaktik kommen. Sie hat federführend mit diesem Team das Konzept des Klangmobils gestaltet.
LIFT Welchen Anteil hatten die Studierenden der HMDK an dem Projekt?
Thiedemann Im Portfolio der HMDK gibt es seit mehreren Semestern Seminare, die mobile Schulkonzepte zum Gegenstand haben. Die Studierenden entwickeln dort eigene Ideen und Konzepte, die sie mit Schulklassen unterschiedlicher Altersstufen vor Ort realisieren.
LIFT Ab wann startet das Klangmobil?
Thiedemann Nach dem Opening am 10. Dezember geht das Klangmobil in eine Erprobungsphase bis Ende Juli 2026, in der es sowohl bei Konzerten der Bachakademie für die Öffentlichkeit zugänglich sein, als auch an ausgewählten Schulen getestet wird. Peu à peu werden wir das Vermittlungsangebot erweitern. Auch beim Bachfest 2026 wird es zu erleben sein.
LIFT Was ist mit „fahrbarer Konzertsaal“ und „mobiles Klanglabor“ gemeint?
Thiedemann Im Klangmobil wird Klang in 3D-Audio abgespielt, was ihn körperlicher erlebbar macht. Der Klang kann aber auch beeinflusst werden: Beispielsweise können sich Hörende auf verschiedene Positionen im Raum im Verhältnis zum Ensemble „setzen“ oder gar „ins Ensemble hinein“. Man kann auch die Musik in verschiedene Akustiken – von Badezimmer über Kathedrale bis Tonstudio – verlegen. Sogar die akustischen Spezifika bekannter Konzertsäle sind möglich. Das erlaubt es uns, pädagogisch mit Höreindrücken zu arbeiten. Vom spielerischen Herangehen bis zum analytischen Einsatz ist hier alles möglich.
LIFT Wie kann man das Klangmobil buchen?
Thiedemann Schulen und andere Institutionen können sich – auch mit Vorschlägen und Ideen – bei uns melden. Je nach Verfügbarkeit, Kapazität und Projekt können wir das dann bedienen.
LIFT Wie konnte das Projekt umgesetzt werden?
Thiedemann Das Projekt konnte nur mit Unterstützung zahlreicher Partner umgesetzt werden. Neben dem Hauptsponsor Mercedes-Benz waren rund 20 Unternehmen und Dienstleister beteiligt.
Klangmobil [www.bachakademie.de/klangmobil, www.hmdk-stuttgart.de/klangmobil]

