Like a complete Unknown

Folk-Rock-Legende: Biopic über Bob Dylan, den erfolgreichsten Singer-Songwriter aller Zeiten

Die Filmbiografie erzählt vom Beginn der Karriere des US-amerikanischen Singer-Songwriters Bob Dylan in den 1960er Jahren und seinem Wandel vom Folk- zum Rockmusiker.

USA, 1961. Drei Musiker treffen sich in einem Krankenhauszimmer in New Jersey. Was wie der Beginn eines Witzes klingt, ist nicht nur die anfängliche Filmsequenz der Filmbiografie über Musiklegende Bob Dylan, sondern auch in Wahrheit passiert.

Der 19-jährige Bobby liest in der Zeitung, dass sein Musikidol Woody Guthrie aufgrund eines Nervenleidens ins Krankenhaus eingewiesen wurde. So macht er sich aus seiner Heimatstadt in Minnesota auf den Weg in besagtes Krankenhaus, mit der Hoffnung, den Musiker dort anzutreffen. Im Gepäck: eine Gitarre und einen Song, den Bobby (Timothée Chalamet), über Woody geschrieben hat: „Song to Woody“. Nicht nur der Folk-Sänger ist begeistert vom Talent des jungen Fremden. Auch Guthries Freund, Musikkollege Pete Seeger (Edward Norton), der ihn an seinem Krankenbett besucht, ist überzeugt von Bobby. Seeger bietet dem Jungen eine Bleibe und die ein oder andere Gelegenheit, in den Clubs und Bars New Yorks aufzutreten.

Im West Village macht sich der junge Musiker so nicht nur schnell einen Namen, sondern trifft dort auch die bereits erfolgreiche Folk-Sängerin Joan Baez (Monica Barbaro). Die bleibt nicht die einzige Frau in Bobbys Leben: Bei einem Konzert lernt er seine zukünftige Partnerin Sylvie Russo (Elle Fanning) kennen, die fiktionalisierte Version von Dylans tatsächlicher Freundin Suze Rotolo, welche ihn in den 1960er Jahren in die Politik-, Kunst-, und Gesellschaftsszene New Yorks einführte.

Während das Konfliktpotential durch diese Dreiecks-Beziehung steigt, scheint auch der Musiker von den Schatten des Ruhms eingeholt zu werden: Fan-Hysterie und hohe Erwartungen, auch von den engsten Leuten um ihn herum, beginnen sich von dem zu unterscheiden, was Bob Dylan selbst will: Folk hinter sich lassen und die Welt mit Rock verändern.

Regisseur James Mangold traf die weise Entscheidung, sich für dieses Biopic auf den wohl wichtigsten Abschnitt in Bob Dylans Leben zu konzentrieren: den Beginn seiner Karriere und seinen Wandel vom Folk- zum Rockmusiker. Höhepunkt ist das Newport Folk Festival 1965 – einer der ikonischsten Momente der Rockgeschichte – bei dem Dylan vor 100.000 ZuschauerInnen, trotz heftiger Kritik, mit elektrischen Instrumenten den Schritt zum Rock-Star wagte. Wie soll man auch 60 Jahre Musikkarriere in einen Film packen? Während Mangold sich Freiheiten in der Reihenfolge der Ereignisse nimmt und Darstellungen addiert, zieht sich ein roter, realer Faden durch das Geschehen.

Der Großteil des Films läuft autobiografisch und getreu zu Dylans Leben – der Film wirkt real. Das ist vor allem einem zu verdanken: Timothée Chalamet. Der 29-Jährige bereitete sich fünf Jahre auf eine der Rollen seines Lebens vor, wie er selbst sagte. Er lernte Gitarre spielen und sang die Songs von Bob Dylan stimmlich fast identisch ein. Eine Investition, die sich auszahlt: Je länger Dylans Karriere über die Leinwand zieht, umso mehr scheint der 29-jähreige mit der Rolle zu verschmelzen, eins zu werden mit der Musiklegende. Seine Stimme wirkt täuschend echt und er schafft es, Bob Dylans Laissez-Faire-Charakter zu verkörpern. So schwingt die Darstellung des Musikers zwischen Frauenheld, Rebell, gequältem Künstler und dem verkappten Genie des erfolgreichsten Singer-Songwriters aller Zeiten, der vor allem eins wollte: in Ruhe Musik machen. Fernab von Erwartungen und ihm zugetragenen Rollenbildern.

Der Film erhielt acht Oscar-Nominierungen, unter anderem für bester Film, Chalamet als bester Hauptdarsteller und Monica Barbaro als beste Nebendarstellerin, die in ihrer Rolle als Joan Baez mit Engelsstimme dem restlichen, authentisch besetzten Cast, die Show stiehlt.   


Like a complete Unknown [US 2024, R: James Mangold mit Timothée Chalamet, Monica Barbaro, Edward Norton, Elle Fanning, Start: 27.2.]
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