Bücherwürmer unter sich: Hier wird gemeinsam gelesen

Buchclub oder Lesefestival

Text: Julia Mähl, Foto: Seven Shooter/Unsplash.com

Mit einer anderen Person über ein gutes Buch sprechen zu können, zu diskutieren, zu schwärmen oder zu spekulieren, ist großartig. Für alle Leseratten, aber auch für alle GelegenheitsleserInnen gibt’s nun die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Eine Party quasi, auf der alle dasselbe Buch gelesen haben: das Leseclubfestival.

Über 50 Autoren und Autorinnen aus ganz Deutschland nehmen teil, alle lesen in anderen Städten aus ihren Werken. In Stuttgart werden es gleich drei sein: Die Schweizer Schriftstellerin Judith Keller liest im Kultur Kiosk im Leonhardsviertel aus ihrem Roman „Oder?“, der Stuttgarter Autor Kai Wieland präsentiert „Zeit der Wildschweine“ in der Raupe Immersatt im Stuttgarter Westen und den Schriftsteller und Dramatiker Michel Decar findet man im Literaturhaus Stuttgart, wo er  sein Buch „Die Kobra von Kreuzberg“ vorstellt.

Das Besondere an der Veranstaltung? Die TeilnehmerInnen dürfen sich das Buch ihrer Wahl mitsamt Ticket aussuchen und bekommen es als Leseexemplar nach Hause geschickt.  Der Roman wird bis zum 23. April gelesen – die Vorbereitung für eine Veranstaltung, auf der vor allem eins getan wird: diskutiert. Dabei bringen sich auch die AutorInnen selbst ins Gespräch ein und liefern wertvollen Input. In kleinen Gruppen von höchstens 20 Personen plus AutorIn entstehen so Gesprächs- und Diskussionsräume, die sonst selten zu finden sind. Den Veranstaltern ist vor allem die lockere Atmosphäre, die trotzdem Potential für Tiefgang liefert, wichtig. Die Gespräche sollen auf Augenhöhe stattfinden und jeden einbeziehen.

Wer am 23. April keine Zeit hat, muss sich aber nicht grämen, denn Stuttgarts Repertoire an Buchclubs ist vielversprechend. In Sachen literarischer Diskussionsbedarf helfen beispielsweise auch Plattformen wie Meetup [www. meetup.com]. Dort gründen unter anderem passionierte LeserInnen regionale Buchclubs, denen jeder beitreten kann.

In Stuttgart gibt’ zum Beispiel Readup, den Buchclub von Userin Deepti Madhok. „Ich hatte eine Zeit, da habe ich so viele Bücher gekauft, die ich zwar angefangen, aber nie beendet habe. Ich brauchte jemanden, der sie mit mir liest“, erzählt sie. Die Suche nach einem passenden Buchclub ist ihr jedoch schwergefallen, denn Madhok liest ausschließlich Bücher auf Englisch. Da fasste sie kurzerhand den Entschluss, selbst einen Club zu gründen.

Das ist knapp zwei Jahre her. Seitdem trifft man sich einmal im Monat in Stuttgarter Cafés, spricht gemeinsam über die Bücher und wählt die neuen für das nächste Treffen aus.

Die Stammgruppe besteht aus etwa sieben bis acht Personen, die jeden Monat teilnehmen. Dazu kommen monatlich zwei oder drei weitere, die sich je nach Buch anschließen. Gelesen wird alles, denn jeder darf seine Vorschläge einbringen.

Seit der Pandemie schwenkt der Buchclub auf digitale Meetings um – und stößt damit auf großes Interesse. Was früher ortsgebunden und somit nur den Stuttgartern vorbehalten war, hat sich weiterentwickelt und so lesen und diskutieren mittlerweile auch Bücherfreunde aus Karlsruhe, Ulm und sogar München oder London im Readup Club.

Für Madhok ist klar: „Auch wenn wir uns wieder in Stuttgart treffen dürfen, möchte ich diesen Online-Part aufrechterhalten. Dann können weiterhin Leute aus ganz Deutschland oder sogar Europa an den Meetings teilnehmen.“   

 

Leseclubfestival [23.4. Tickets + Buch auf www.leseclubfestival.com]

Readup Club [www.meetup.com/Readup-The-Book-Club-More]

Dieser Artikel ist aus LIFT 04/21

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