Weg damit oder nicht?

Der Streit ums Lenk-Denkmal

BetrachterInnen reihen sich ums Mini-Feigenblatt • Text: Petra Xayaphoum, Foto: Ronny Schönebaum

Eigentlich hätte die Skulptur im Vorgarten des Stadtpalais schon im März weg sein sollen. Nun bleibt sie bis Ende Juni, vielleicht sogar noch bis zum nächsten Jahr. Und das trotz der Pimmel! Oder wegen der Pimmel?

Nochmal von vorn: Peter Lenk, seines Zeichens Künstler und Bildhauer, wohnhaft in Bodman-Ludwigshafen, hat in einer zweijährigen Arbeit den „Schwäbischen Laokoon“ angefertigt, der 15 Vollplastiken und etwa 120 Relieffiguren, darunter Ministerpräsident Kretschmann, ringend mit einer schlangenähnlichen Bahn zeigt. Nackt. Da hilft auch kein Mikro-Feigenblatt, das Lenk augenzwinkernd vor das Geschlechtsteil des Ministerpräsidenten geklebt hat. Das kann man alles gut finden oder auch nicht, interessant ist es allemal, das zeigen die zig BetrachterInnen, die sich täglich um das Denkmal gruppieren und wild am Diskutieren sind.

Im Rahmen der temporären Skulpturengalerie vor dem Stadtpalais war mit der Stadt Stuttgart eine Aufstellung der Skulptur bis März dieses Jahres vereinbart worden. Danach hätte das Denkmal dem Bau einer Freitreppe weichen müssen. Nun wurde der aufs nächste Jahr verschoben und eigentlich gäbe es keinen Grund die Skulptur nicht auch solange stehen zu lassen?

Da ist das Stadtpalais aber anderer Meinung. „Peter Lenks satirische Arbeit zu S21 ist eine großartiger und wichtiger Teil unserer temporären Skulpturengalerie. Die temporäre Ausstellung ist, wie der Name schon sagt, zeitlich begrenzt und endet wie geplant zum 30. Juni. Danach entsteht im Museumsgarten eine neue temporäre Installation: das urbane Sommerfestival Stuttgart am Meer“, sagt Museumsleiter Torben Giese.

Soweit, so gut, wenn da nicht dieses Zitat von Giese im Südkurier wäre, das die Skulptur als seiner Meinung nach „zu vulgär“ bezeichnet. Mittlerweile hat der Museumsleiter öffentlich bedauert, dies gesagt zu haben und betont seine Sympathie gegenüber dem Denkmal. Manch einer, zum Beispiel die Fraktionsgemeinschaften Die Fraktion Linke SÖS Piraten Tierschutzpartei und Puls sowie Winfried Wolf, der Organisator der Initiative „Lenk in Stuttgart“, wittert darin trotzdem den eigentlichen Grund für das Verbannen der Skulptur aus dem Stadtpalais-Vorgarten. „Mir erschließt sich jedenfalls nicht, warum ein paar Sonnenliegen im Umkreis dem Verbleib der Skulptur widersprächen“, so Wolf.

Auch der Gemeinderats-Antrag der Fraktionsgemeinschaften spricht Bände: „Für ein dauerhaftes Verbleiben sei ihm das Werk zu ‚vulgär‘, ließ sich Herr Giese zitieren und befördert den Eindruck, dass das liberale Stuttgart ‚gestern' war und politische Kunst, die sich auch dem ‚einfachen' Betrachter erschließt und lebende Akteure satirisch aufs Korn nimmt, unerwünscht ist“, bemerkt man darin. Weiter: „Dies schadet der Stadt. Peter Lenks Skulptur muss deshalb am Stadtpalais auch nach Juni 2021 präsentiert werden.“

Die Grünen konnten sich übrigens nicht zum Unterzeichnen des Antrags durchringen, wohl aber Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Das Ganze gibt fast schon genug Stoff für ein weiteres Lenk-Werk: „Der schwäbische Kampf der Titanen“.    

Foto: Ronny Schönebaum

Dieser Artikel ist aus LIFT 06/21

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