Ilona Hartmann im Interview

Die Bestseller-Autorin und gebürtige Backnangerin Ilona Hartmann über ihren neuen Roman

Die Bestseller-Autorin Ilona Hartmann erzählt in ihrem neuen Roman „Klarkommen“ eine ehrliche Coming-of-Age Story.

Foto: Lenny Rothenberg

Die Jugend sollte der Peak sein, mit wilden Partys und noch wilderen Sex-Erlebnissen. In Filmen ist das so, doch in der Realität passiert oft: Nichts. Die Bestseller-Autorin, Content-Creatorin und Podcasterin Ilona Hartmann erzählt in ihrem neuen Roman „Klarkommen“ eine ehrliche Coming-of-Age Story, in der (realitätsnah) das wilde Abenteuer ausbleibt. Hier erzählt die gebürtige Backnangerin, warum die eigene Jugend oft enttäuscht, warum Fear of Missing Out (Fomo) kein Berlin-Phänomen ist und worauf sie sich beim Comeback besonders freut.

LIFT Die Protagonistin in „Klarkommen” ist von ihrer Jugend gelangweilt. Warum erfüllt diese Lebensphase selten die Erwartungen?

Hartmann Uns wurde seit der Erfindung Hollywoods durch Filme, Serien, Musikvideos und Bücher eingetrichtert, wie es aussehen sollte, wenn man jung, cool und hot ist und wie man alles auf die richtige Art falsch macht. 

LIFT Wie denn zum Beispiel?

Hartmann Die einen, mich eingeschlossen, vergeuden halt mal drei Tage mit der Recherche, welcher neue Laptop nun der Richtige ist. Oft denkt man, andere würden in der Situation einfach Wein über ihren alten Laptop kippen, ihn aus dem Fenster werfen, Bargeld aus der Spardose nehmen und nach Japan fliegen. Hedonismus nach Vorschrift, sozusagen. „Klarkommen“ soll ein Gegengewicht zu diesen ganzen Fantasiekonstrukten sein.

LIFT Weil das Leben einfach kein Film ist…

Hartmann Genau, auch wenn das natürlich niemand wirklich glaubt. Die Figuren im Buch warten darauf, dass jemand auf den Turbo drückt und man wie bei Mario Kart durch so einen beschleunigenden Pilz fährt, der dann alles aufregend macht. Irgendwann stellt sich aber raus, dass es anders läuft.

LIFT Sie erzählen das alles in sehr kurzen Kapiteln. Warum?

Hartmann Ich find‘s beim Lesen anstrengend, wenn ich sehe, dass ein Kapitel ewig lang ist, dann fang ich schon mit weniger Energie an zu lesen. Die kurzen Kapitel sind ein Versuch, für mehr Dynamik und Dopamin zu sorgen.

LIFT So als würde man durch die sozialen Medien scrollen?

Hartmann Wir haben uns ja die letzten Jahre alle die Gehirne frittiert, da finde ich das nur zeitgemäß und ehrlich das so zu schreiben, wie es mir flüssig und authentisch vorkommt. Mir hat auch gut gefallen, mit der klassischen Romanstruktur zu brechen.

LIFT Sie sind in Backnang aufgewachsen. Wie sehr hat das Aufwachsen hier geprägt?

Hartmann Ich denke nicht, dass ich eine völlig andere Person gewesen wäre, wenn ich in Stuttgart oder direkt in Berlin aufgewachsen wäre und kann natürlich verstehen, warum Leute da wohnen und es cool finden. Für mich war es halt nichts, sehe es aber natürlich als totales Privileg in so einem wohlhabenden Bundesland aufgewachsen zu sein, in einer Kleinstadt, in der einfach noch vieles in Ordnung ist. Es war nur alles ziemlich langweilig und wenn das dein größtes Problem ist, dann hat man eigentlich auch keins.

LIFT Kannte man da Fomo nicht so sehr wie in Berlin?

Hartmann Ich hatte da schon auch Fomo. Es gab immer die eine Person, bei der man schon wusste, dass egal was sie macht, es irgendwie geiler ist, als das, was man selbst macht. In Berlin gibt’s viele davon, aber auch wenn ich in ein Dorf mit zehn EinwohnerInnen ziehen würde, gäbe es eine Person, die es besser macht.

LIFT Da ist aber auch viel Schein, besonders auf den sozialen Medien.

Hartmann Man kriegt einfach zu viel mit. Selbst die Leute, die gerade in Miami sind, sehen Content aus New York und denken sich: „Fuck, jetzt hänge ich hier in Miami und in New York passiert das richtig geile Zeug.“

LIFT Ist die Lesung am 10. April in Stuttgart ein Heimspiel?

Hartmann Es fühlt sich wirklich ein bisschen wie ein Heimspiel an, auch wenn ich mittlerweile nicht mehr so oft in Stuttgart bin. Besonders freue ich mich, dass es wieder anständige Brezeln gibt, ich bin wirklich ein riesiger Brezel-Fan und die Guten gibt es in Berlin einfach nicht. (lacht)

LIFT Da fragt man sich manchmal, warum die das im Norden nicht hinkriegen.

Hartmann Die haben einfach nie das Original getestet, anders kann ich mir das nicht erklären.

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