HipHop-Künstler Trettman im Gespräch

Über alte Erfolge, neue Ziele und die Liebe zur Musik

Trettmann gilt als der Vertreter des Dancehall-Genres in Deutschland. Im Dezember kommt er in die Schleyer Halle. Wir haben mit ihm über alte Erfolge, neue Ziele und die Liebe zur Musik gesprochen.

Foto: Finn Bündert

Trettmann gilt als der Vertreter des Dancehall-Genres in Deutschland. Mit seinem Album „#DIY“ brachte er eine Mischung aus Dancehall, Reggae, und HipHop in den Mainstream, es hielt sich 75 Wochen in den Charts. Im Dezember kommt er in die Schleyer Halle.

Was an seinem Erfolg bewundernswert ist, ist die Tatsache, dass Stefan Richter, so der Künstler mit bürgerlichem Namen, eigentlich eher zur alten Hip­­-Hop-Generation gehört. Während sich  Deutsch-Rap-Künstler wie Makko, Pasha­nim, Symba oder Ski Aggu in eine Riege des jüngeren  Nachwuches einreihen, tanzt Trettmann mit seinen 51 Jahren eher aus der Reihe. Trotzdem schafft er es wie kein zweiter den Zeitgeist einer Generation festzuhalten. Das Geheimrezept: Authentizität. Wenn er singt oder rappt, klingt das echt, rar und schmerzvoll. Man glaubt, was er sagt, man spürt, was er zwischen den Zeilen fühlt.

Nicht nur der Spagat zwischen Feier- und Herzschmerz-Hymnen beherrscht der Wahlleipziger. Als Kind der DDR war seine Jungend im Chemnitzer Plattenbau geprägt von rechtsextremer Gewalt, die er im Song „Grauer Beton“ verarbeitet hat. Doch trotz des Erfolges von „#DIY“ hat Trettmann nie versucht, das Album zu replizieren. „Das waren alle Gedanken und Dinge, die mich 20, 30, fast 40 Jahre beschäftigt und sich im Album manifestiert haben. Ich hab gar nicht probiert das zu wiederholen, weil klar war, dass es nicht gehen kann“, erklärt der Künstler.

Auch sieben Jahre später ist das Album ein Klassiker, der ihm Headline-Shows auf Festivals, ausverkaufte Touren und einen festen Platz in der deutschen Musikszene bescherte. „Ich vergesse oft, wie erfolgreich meine Musik ist und erlebe sie dadurch auch immer wieder neu“, lacht der Künstler. „Irgendwie muss das auch so sein. Ich habe so einen Respekt vor der Kunst und ich bin nach wie vor so froh, das tun zu können. Das fühlt sich für mich jedes Mal wie ein Neuanfang an, wenn ich auf die Bühne gehe oder einen Song schreibe.“

Nach einer Tour-Pause von fast vier Jahren ist er nun mit der „No More Sorrow“-Tour zurück. Die war eigentlich für letztes Jahr geplant, wurde aber verschoben: „Einfach, weil ich noch mehr Musik erarbeiten wollte, um zu zeigen, wo ich gerade bin und wo ich vor einem Jahr war“, erklärt der Musiker. „Insofern gibt es eine neue Show mit neuen Visuals, mit TänzerInnen, einer neuen Dramaturgie und eben neuen Songs.“ Dieses Jahr erschienen drei seiner EP’s, „Your Love Is King“ 1-3. Verändert hat sich dabei vor allem die Produktion: Während Trettman bis dato seine Musik mit dem Berliner Produzenten-Trio Kitschkrieg aufgenommen hatte, arbeitet er seit den EP’s mit einem neuen Team zusammen – und an neuer Musik. „Wir sind richtig happy mit dem, was wir bisher erarbeitet haben“, erzählt der Rapper. „Das sind gute Tracks, alles klingt ganz frisch. Ich will noch nicht verraten was, aber es kommt noch mehr.“

Inspiriert hat den 51-Jährigen dabei vor allem immer eins: Tanzmusik. Bereits in seiner Jugend hat er als DJ aufgelegt und Breakdance performt. „Es ist schon immer die Tanzmusik, mit der ich aufgewachsen bin, die mich inspiriert“, erzählt Trettmann.  Diese Faszination wurde größer, als er Anfang der 90er nach Jamaika reiste, um die Musik vor Ort zu erleben. „Ich habe mich in die Kultur verliebt“, so der Künstler. „Radio und Disco zuhause konnten nicht ersetzen, was ich dort erlebt habe. Diese unabhängige Kultur, die alle Altersgruppen anspricht und sich nicht nur aus Reggae und Dancehall speist, sondern auch ein Heritage an Gospel, Soul und R'n'B hält. Das ist ein Kulturgut, das so übergreifend ist, das kenne ich in Deutschland so nicht.“ 

Genau das hat Trettman in Deutschland kreiert: Musik, die alle anspricht, egal ob 50, 35 oder 20 Jahre alt. Wahrscheinlich, weil es so gut funktioniert, will er auch in Zukunft genau so weiter machen. „Ich empfinde nicht, dass ich angekommen bin mit meiner Kunst“, erklärt der Rapper. „Ich glaube, man kommt auch nie an, das setzt sich immer weiter fort. Ich freue mich schon wieder auf neue Projekte, dazu zu lernen, Neues auszuprobieren, mich weiterzuentwickeln. Das löst so eine Freud aus, auf alles, was noch so kommt.“ Diese Freude ist ganz unsererseits.                                                

Trettmann [15.12. 20 Uhr, Schleyer Halle, Mercedesstr. 69, S-Bad Cannstatt, www.chimperator-live.de]

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