In Stuttgart erleben jedes Jahr mehr als 1.330 Frauen häusliche Gewalt – die Dunkelziffer ist vermutlich sehr viel höher. Deutschlandweit wird fast jeden Tag eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist. Bei 1.000 Frauen wird es versucht. Tendenz steigend. Im letzten Jahr wurden zwei Stuttgarterinnen von ihren Partnern ermordet und seitdem das neue Jahr begonnen hat, mussten wir schon einen weiteren Femizid verzeichnen. ExpertInnen schlagen Alarm und fragen: Wie viele muss es noch treffen, bevor sich etwas ändert?
Wenn in Stuttgart eine Frau von häuslicher Gewalt betroffen ist und sich Hilfe sucht, landet sie wahrscheinlich bei einer der zwei Beratungsstellen: FrauenFanal, der städtischen Beratungsstelle, oder der Beratung und Information von Frauen des autonomen Vereins Frauen helfen Frauen (FHF). Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen kümmern sich hier um Frauen, die von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffen sind. Das beinhaltet auch alle nicht binären und weiblich gelesenen Personen. Aber auch Bekannten, Familienmitgliedern oder Menschen aus dem Umfeld wird weitergeholfen. Beide Beratungsstellen berichten etwa von Arbeitgebern, die bei einer Angestellten Anzeichen für häusliche Gewalt feststellten und dann um Unterstützung gebeten haben. Das sei nicht etwa ein Einmischen in private Angelegenheiten, sondern sogar sehr wichtig und könnte Leben retten, betonen die Mitarbeiterinnen.
Aber was genau ist häusliche Gewalt? Meistens handelt es sich um Partnerschaftsgewalt, in selteneren Fällen auch um innerfamiliäre Gewalt, etwa ausgehend vom volljährigen Sohn gegenüber der Mutter oder des Vaters gegenüber der Tochter. Die Opfer? Über 70 Prozent sind weiblich.

