Fett. Ausstellung

Fotos und Stories gegen Stigmata

Im Utopia Kiosk eröffnet eine Ausstellung über Körper, Kämpfe und gegen Stigma.

Foto: Anna Cornelius

„Fette Frauen sind nur zum Ficken, aber gesehen werden möchte ich nicht mit einer.“ Mit Sätzen wie diesem wurde Maya Dempf, angehende Journalistin und feministische Content-Creatorin, immer wieder konfrontiert. Der Anlass dafür: eine deutschlandweite Umfrage zu den Themen Gewichtsdiskriminierung und Fettfeindlichkeit, die Dempfs Team im Rahmen ihrer kommenden Ausstellung „FETT.“ durchführte.

Fragestellungen, wie „Was denkst du, ist das Erste, was anderen Menschen an dir auffällt?“ oder „Was würdest du tun, wenn du einen Tag schlank sein könntest?“, wurden von Teilnehmenden beantwortet und bieten Einblicke in die kollektiven Erfahrungen dicker Menschen, die die Ausstellung im Utopia Kiosk ins Zentrum rücken will. „Wir möchten, dass Menschen anfangen, zuzuhören und zu reflektieren. Wir möchten nicht mit dem Finger auf Menschen zeigen, sondern ihnen den Spiegel vorhalten und sie dazu motivieren, ihre eigenen Denkweisen, Handlungen und erlernte Strukturen zu hinterfragen“, erklärt Dempf, die im Laufe ihres Lebens selbst Fettfeindlichkeit und Diskriminierung erlebt hat. Durch ihre Auseinandersetzung mit dem Thema und ihre Freundschaft zur Kunsttherapeutin und Fotografin Anna Cornelius sei die Idee entstanden, mit dem Support von Corinna Schneider als Projektmanagement- und Organisationsleitung einen Raum für gelebte Erfahrungen, Aufklärung und Verständnis zu schaffen. Untermalt werden die gezeigten  Fotografien von den Geschichten der Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Der Grund: „Da nicht alle von ihnen zu Fotoshootings anreisen konnten, haben wir überlegt, wie sie trotzdem in der Ausstellung repräsentiert werden können. Gleichzeitig wollten wir auch zeigen, wie kollektiv diese Erfahrungen sind“, erklärt Dempf.

Von einem Team aus DesignerInnen wurden die Antworten deshalb in Magazine integriert, die in den Ausstellungsräumen verteilt werden. Neben den individuellen Erfahrungen der Teilnehmenden will die Ausstellung dabei vor allem die strukturellen Benachteiligungen sichtbar machen, die dicke Menschen innerhalb unserer Gesellschaft erfahren: Vom Arbeitsplatz über öffentliche Verkehrsmittel bis hin zum Gesundheitssystem.

Auch von der vermeintlichen „Body-Positivity“, die vor einigen Jahren auf Social Media ihr Momentum erlangte, scheint inmitten der gegenwärtigen Welle von „Pilates-Bodies“ und „Heroin Chic“-Posts wenig übriggeblieben zu sein. „Schlanksein war, ist und wird immer das Ideal sein“, so Dempf.

Nachhaltige Veränderungen anstelle von kurzlebigen Trends kann man letztendlich nur durch Aufklärungsarbeit und gesetzliche Entscheidungen bewegen – wie die Aufnahme von Gewichtsdiskriminierung ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Und durch das Engagement von Menschen, die sich mit den unbequemen Realitäten bewusst auseinandersetzen. „Wir möchten, dass die BesucherInnen Zugang zu dem Leben von dicken und fetten Menschen bekommen. Einen Einblick in die Leben, über die sie sonst oft so schnell urteilen.“     

Fett. [ab 22.11., Utopia Kiosk, Lazarttstr. 5, S-Mitte, Fr+Sa 18-0, So 12-18 Uhr, @fett.ausstellung]

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