Wie viel Arbeit in einem Weinjahr steckt, zeigt sich schon im Ablauf. Christian Zaiß erklärt, dass alles im Januar und Februar mit dem Rückschnitt der Reben beginnt.
Danach folgen zahlreiche Arbeiten im Weinberg – vom Anbinden der Ruten über die Pflege der Laubwand bis zum Ausdünnen der Trauben. Im August ist das meiste erledigt, ab September startet dann die Lese, die sich je nach Sorte und Wetter über mehrere Wochen zieht. Entscheidend ist für ihn, dass die Qualität im Weinberg entsteht – im Keller lasse sich nichts besser machen, sondern nur bewahren.
Die Bandbreite ist groß: 16 verschiedene Rebsorten wachsen heute in den Weinbergen – von Riesling und Weißburgunder bis zu kräftigen Rotweinen wie Lemberger aus dem Barriquefass oder Cabernet Sauvignon. Welche Sorte gerade sein Favorit ist, hängt für Christian Zaiß auch von der Jahreszeit ab: Im Sommer greift er lieber zu leichten Weiß- und Roséweinen, im Winter dürfen es die kräftigen Roten sein.
Dass die Auswahl so vielfältig ist, hat Tradition – Württemberg war nie auf eine einzelne Sorte spezialisiert, sondern schon immer breit aufgestellt. Ergänzt wird das Sortiment durch eine eigene Sektkellerei und eine Destillerie, in der Tresterbrand, Weinbrand und Obstbrände entstehen.
Die Vielfalt ist groß – doch gleichzeitig stehen Weinbaubetriebe heute vor ganz anderen Herausforderungen. Der Weinkonsum verändert sich spürbar. „Der Pro-Kopf-Verbrauch an Wein geht statistisch zurück. Manche trinken bewusst weniger Alkohol, andere greifen aus Glaubensgründen oder wegen der Popularität von Mischgetränken zu Alternativen“, sagt Christian Zaiß. Hinzu kommt der Preis: „In Deutschland spielt der Preis eine große Rolle. Viele sind stolz, wenn sie die Butter für ein paar Cent günstiger kaufen konnten. Beim Wein führt das dazu, dass heimische Produkte übersehen werden.“ Für ihn ist klar, dass Regionalität mehr ins Bewusstsein rücken muss – mit jedem Glas heimischen Weins werde auch die Kulturlandschaft gepflegt. Wenn der Verbrauch weiter sinkt, drohe irgendwann die Stilllegung von Flächen.
Neben dem veränderten Konsum spielt auch die weltweite Entwicklung eine Rolle. „Es gibt eine Überproduktion von Wein. Auch in Frankreich oder Italien werden Rebflächen gerodet“, sagt Christian Zaiß. Und er betont: „Deutsche Weine sind international absolut konkurrenzfähig.“ Für ihn ist klar, dass Regionalität nicht nur eine Frage des Geschmacks ist, sondern auch der Erhaltung von Tradition.
Auch wenn deutsche Weine international mithalten können, entscheidet am Ende nicht nur die Qualität im Glas, sondern auch, wie man die Menschen erreicht. „Entscheidend ist, dass man moderne Konzepte entwickelt, die zur Zeit passen. Auch die Kommunikation spielt eine große Rolle – Social Media ist heute unverzichtbar, um ein jüngeres Publikum zu erreichen“, so Christian Zaiß. Und er beobachtet: „Ein einfaches Fest mit Wein und Vesper zieht weniger Gäste an als früher. Wer etwas Besonderes bietet – ein Event mit Attraktion oder Alleinstellungsmerkmal – spricht eher auch die jüngere Generation an.“
Ein Beispiel dafür ist die Küchenparty, die das Weingut im Juni veranstaltete. „Dabei öffnen wir unsere Besen-Küche, bauen draußen eine schöne Ausgabestation auf und laden einen Koch ein. Der Koch zaubert dann ein Menü, und die Gäste können durch die Küche laufen, dem Koch über die Schulter schauen, Fragen stellen und dabei ein Glas Wein genießen“, erklärt Sonja Zaiß. Zur Küchenparty gehört mehr als gutes Essen. „Wir verbinden das mit einer Kellerführung und einer Weinprobe. Außerdem gibt es eine kleine Challenge – zum Beispiel Spätzle schaben oder Schupfnudeln machen. Da machen immer viele mit, was richtig Spaß macht. Außerdem können die Gäste Weine direkt aus dem Barriquefass oder aus dem Stahltank probieren, bevor sie abgefüllt werden“, erzählt Sonja Zaiß.
Die Resonanz sei überwältigend gewesen: „Dieses Jahr waren wir komplett ausgebucht, ohne dass wir Werbung machen mussten. Die Gäste kamen aus der ganzen Region, aber auch von weiter her – sogar aus Hamburg.“ Und es soll weitergehen: „Wir überlegen, das Event auszubauen, vielleicht einmal zwei Tage hintereinander. Es hat sich gezeigt, dass das Format sehr gut ankommt, und wir wollen unseren Gästen künftig noch mehr bieten.“