Müttern ein Gesicht geben: das Gründerduo startet die Initiative Faces of Moms

Viel mehr als nur Mama

Text: Nina Scheffel, Foto: Sandsackfotografie

Die Kinder bespaßen, einkaufen, die Wohnung in Schuss halten, arbeiten und nebenbei Zeit für Erholung finden – für viele Mütter eine reine Wunschvorstellung. Die Realität sieht  im Alltag anders aus, die pandemiebedingte Schließung von Schulen und Kitas hat die Belastung von berufstätigen Müttern aber noch einmal verschärft.

Grund genug für Nicole Noller und Natalie Stanczak aus Asperg und Augsburg, mit ihrem schon länger geplanten Projekt „Faces of Moms“ endlich online zu gehen.

Das Konzept ist simpel: Auf einem Instagram-Kanal und einer Website sprechen Mamas übers Muttersein, indem sie Fragen beantworten und geben so Einblicke in ihren Alltag. „Die drei Fragen lauten immer: Was ist deine größte Herausforderung? Was dein größter Abfuck und was könnte dir helfen?“, erklären Noller und Stanczak. „Wir haben uns bewusst für eine Sprache auf Augenhöhe entschieden, um aus den Müttern heraus zu kitzeln, was sie am allermeisten nervt.“

Weshalb das Ganze? „Corona war nicht der Grund, weshalb wir das Projekt ins Leben gerufen haben, hat aber auf jeden Fall einen zusätzlichen Impuls gegeben“, so Noller. Die gelernte Veranstaltungskauffrau aus Asperg arbeitet hauptberuflich als Projektmanagerin und ist selbst zweifache Mutter. „Auch vor Corona war es als Mutter ein daily Struggle, alles unter einen Hut zu bringen“, sagt sie. „Corona hat diese Ungleichheiten und Herausforderungen für Familien nur noch verstärkt“, ergänzt Natalie Stanczak, Soziologin, Fotografin und ebenfalls Mutter.

Besonders wichtig ist den beiden, Familienkonzepte mit ihrem Projekt nicht zu bewerten oder gar zu verurteilen. „Unser Ziel ist es, zum Nachdenken anzuregen. Wenn es Mütter gibt, die gerne Hausfrau sind, ist das vollkommen legitim“, so Noller. Im Fokus steht jedoch vor allem das Ziel, alternative Lebensmodelle aufzuzeigen. Faces of Moms soll den Lesern helfen, sich in ihrer Partnerschaft auf Augenhöhe zu begegnen und die alltäglichen Aufgaben fair untereinander aufteilen.

Für die Zukunft versuchen die beiden aus den Antworten der Mütter Empfehlungen oder Visionen für eine gerechtere Care-Arbeit abzuleiten: Wäre beispielsweise eine erweiterte Kita-Betreuung wichtig oder geht es eher um Planungskonzepte innerhalb der Familie? „Wir möchten Müttern eine Plattform bieten und versuchen, Mutterschaft so darzustellen, wie sie tatsächlich ist – nicht immer nur shiny, wie es viele Mom-Blogs suggerieren, sondern auch sehr anstrengend. Aus diesem Grund nutzen wir soziale Medien, um gerade dort mehr Realität zu schaffen“, so Noller.

In der Öffentlichkeit steht Faces of Moms nun seit knapp zwei Monaten, seitdem hat das Projekt rege Resonanz erfahren. Und nicht nur bei Müttern kommt das Konzept gut an. Auch öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise die Kontaktstelle Frau und Beruf in Ludwigsburg steht hinter der Idee und kann sich in Zukunft eine Zusammenarbeit vorstellen.

Wie diese aussehen könnte? Noller und Stanczak haben viele Ideen: Eine Foto-Ausstellung, ein Speaker Event mit Müttern  als Experten oder die Realisierung eines Kinderbuchs, um schon die Kleinsten für eine Erweiterung der traditionellen Rollenbilder ihrer Eltern zu sensibilisieren, stehen ganz oben auf ihrer Liste.    

 

Faces of Moms [www.facesofmoms.de, Instagram: @facesofmoms]

Dieser Artikel ist aus LIFT 07/20

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