European Outdoor Film Tour

Text: Luccia Koehnlein, Foto: Ian Rinefort

Die EOFT auf Heimspiel in Stuttgart

Wer hätt‘s gedacht? Das größte Outdoor-Filmfestival Europas kommt aus Stuttgart. Oder besser gesagt ihr Gründer, der bereits in den 80ern eine Eventreihe ins Leben rief, an die sich ältere LIFT- LeserInnen noch erinnern könnten: „Nuit de la Glisse“. Da ging es auch schon um Outdoor-Sport: Snowboarden, Windsurfen, Wellenreiten.

„Jahre später, als ich selbst schon Filmemacher war, kam ich dann auf die Idee, Outdoor-Dokus zu zeigen“, erzählt Joachim Hellinger, Gründer der European Outdoor Film Tour (EOFT). „Filme, die Geschichten erzählen, näher an den ProtagonistInnen sind, die inspirieren. Diese Geschichten wollte ich in einen Abend, als Film­event, packen.“ Der Filmemacher ist in Leonberg aufgewachsen und startete in der Alten Kongresshalle die ersten Sport-Filmevents in der Region.

Die EOFT gibt es seit 2001 und seitdem ist sie stark gewachsen. Mittlerweile gibt es mehrere hundert Veranstaltungen in acht Ländern. Auch das Publikum hat sich gewandelt. Es sei nicht mehr so segmentiert, erklärt Hellinger. „Damals traf man sich zwar auf der Veranstaltung, hat sich allerdings als separate Sport-Gruppen gesehen – und nicht als eine große Gemeinschaft.“ Heute würden sich die Leute eher als Outdoor-Fans oder einfach als Menschen, die gerne draußen aktiv sind, bezeichnen. „Außerdem ist das Publikum viel weiblicher geworden. Mittlerweile haben wir gleich viele Männer und Frauen bei den Events.“

In diesem Jahr füllen acht Kurzfilme das etwa dreistündige Programm der Filmabende. Jeder hat dabei seine eigene, irgendwie extreme Geschichte: Da ist zum Beispiel „Elevated“, (Bild u.li.) in dem es um die gehörlose Kletterin Sonya Wilson geht. „Der war extrem zu drehen, da er ja ohne gesprochene Sprache funktionieren muss.“, so Hellinger. „Extrem im klassischen Sinne ist die Leistung von Timothy Olson, der in „The Mirage“ täglich zwei Marathon-Distanzen läuft und das 51 Tage hintereinander.“ Stark visuell und actiongeladen ist dagegen „Helix“, ein Film über einen Gleitschirmflieger, der in Höchstgeschwindigkeit zwischen steilen Felswänden und dicht über Baumwipfel fliegt – und sein Kumpel mit der Drohne hinterher.

„Ich persönlich finde auch den Film „Wild Waters“ über die Kajakerin Nouria Newman wahnsinnig inspirierend.“, erzählt der Filmemacher. „Sie hat sich durch ihr außerordentliches Können an die Weltspitze des Kajak­sports gepaddelt und dabei in einer männerdominierten Sportart alle Konventionen gesprengt.“

Die ProtagonistInnen könnten also unterschiedlicher nicht sein. Am Ende eint sie aber doch eins: eine unglaubliche Willensstärke und vielleicht auch Leidensfähigkeit. „Sie alle haben ein starkes Streben nach Selbstverwirklichung“, so Hellinger. „Egal ob das beim Suchen des nächsten Griffes in der Kletterwand oder bei der Planung einer großen Expedition in die Arktis ist.“

 

European Outdoor Film Tour [13.11. 18 Uhr, SSB-Veranstaltungszentrum Waldaupark, Friedrich- Strobel-Weg 4-6, S-Degerloch; 19.+26.11. 15+19 Uhr, Liederhalle, Berliner Platz 1-3, S-Mitte; 21.11.+12.12., 19:30 Uhr, Forum am Schlosspark, Ludwigsburg, www.de.eoft.eu]

Dieser Artikel ist aus LIFT 11/22

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