Leicht verzweifelt starre ich zwischen die geöffneten Türen meines Kleiderschranks. Heute Morgen vor der Fahrradtour fiel mir die Wahl des Outfits leichter. Mit leichtem Ziehen in den Beinen stehe ich vor meiner Klamottenauswahl und bereue es fast, keine Fetisch-Klamotten parat zu haben. Statt kleiner bunter Pillen wird Magnesium geschmissen, um dem Muskelkater vorzubeugen. Denn heute Nacht wird getanzt – aber nicht irgendwo, sondern auf der „Pump“, einer sexpositiven Partyreihe im Stuttgarter Club Climax. Die sexpositive Eventszene in Stuttgart ist in Bewegung, und ich neugierig: Was verändert sich gerade, wer gestaltet diese Szene – und wie fühlt es sich an, Teil davon zu sein? Mein einziger Berührungspunkt bisher: die „Kinky Galore“, Deutschlands größte überregionale Eventreihe im Bereich Sexpositivität. Vor meinem inneren Auge sehe ich Lack, Leder, Mesh, Gurte – oder einfach Haut. Nackte Körper auf einer pulsierenden Tanzfläche, allein oder ineinander verschlungen.
Sexpositivity bedeutet, Sexualität als natürlichen, vielfältigen und gesunden Teil des Lebens zu verstehen – solange alles auf Konsens basiert. Auf pro-sexuellen Events dürfen die Menschen sich sowohl körperlich als auch ästhetisch frei ausdrücken. Oft äußert sich das in besonderen Outfits – oder auch vollkommender Nacktheit. Der Begriff „kinky“ beschreibt wiederum Praktiken oder Stile, die außerhalb der sexuellen Normen liegen – sei es nun Bondage oder Fetisch-Mode. Es geht dabei nicht immer zwingend um Sex, sondern um Identität, Ästhetik und Gemeinschaft. Und doch ist es auch auf kinky Events häufig erlaubt, auf der Tanzfläche oder in dafür vorgesehenen Bereichen, sogenannten „Play-Areas“, Sex zu haben.

