Drei junge Frauen mit Down-Syndrom treten ins Rampenlicht des Theaterhauses Stuttgart und beweisen, dass Kunst keine Einschränkungen kennt. In einer Stadt der kulturellen Vielfalt setzen sie trotzdem ein starkes Zeichen: Talent, Ausdruckskraft und Kreativität sind universell. „Es geht nicht um Behinderung, sondern um Kunst“, sagt Regisseurin Ismene Schell – und damit bringt sie die Essenz von „Girrrrls“ auf den Punkt. Denn das Theaterstück sprengt Grenzen – nicht nur die der Konvention, sondern auch die der Herzen.
Die Entstehung des Stücks war ein vielschichtiger Prozess, geprägt von Schells langjähriger Arbeit in inklusiven Theaterprojekten. Ihre persönliche Inspiration war auch ihre Tochter, die Teil des Ensembles ist. „Ich wollte sehen, wie diese jungen Frauen die Bühne füllen – ihre Ausdruckskraft ist außergewöhnlich“, erklärt Schell.
Die drei Darstellerinnen – Anne Bächle, Janina Berger und Lin Schell – wurden durch ein Casting gefunden und sind der Kern des Stücks.
„Girrrrls“ verzichtet auf viel Sprache und setzt auf körperlichen Ausdruck, Musik und Interaktion. Die Performance vereint Tanz, Gesang und impulsive Szenen, die von den Darsteller-innen selbst entwickelt wurden. „Es gibt Momente, in denen die Bühne vor Energie explodiert“, sagt Schell. Dabei lädt das Stück das Publikum ein, Teil des Geschehens zu werden – Interaktion ist ausdrücklich erwünscht.
Die Arbeit am Theaterstück war ein Balanceakt zwischen kreativer Freiheit und Struktur. „Die größte Herausforderung war, die Lebendigkeit der Darstellerinnen zu bewahren und gleichzeitig trotzdem eine Bühnenshow zu entwickeln, die das Publikum fesselt“, so Schell.
Unterstützt wurde sie dabei von einem interdisziplinären Team: Nadja Frigewski (Choreografie), Andrea Weiss (Gesangscoaching) und Jule Reiff (Theaterpädagogik) brachten ihre Expertise ein.
Auch die Finanzierung erforderte Kreativität. Dank Förderungen durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg, die Ferry-Porsche-Stiftung und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne konnte das Projekt realisiert werden. Dennoch merkt Schell kritisch an: „Inklusionstheater wird oft nur als kulturelle Bildung wahrgenommen und nicht als professionelles Theater. Das muss sich ändern.“
„Girrrrls – drei Frauen mit Down-Syndrom erobern Stuttgart“ ist nicht nur ein Theaterstück, sondern auch ein Statement für gesellschaftlichen Wandel. Schell wünscht sich, dass andere Kunstschaffende ihrem Beispiel folgen: „Wir müssen die künstlerische Arbeit mit Menschen mit Behinderungen selbstverständlich machen.“
Girrrrls – Drei Frauen mit Down-Syndrom erobern Stuttgart [5., 6., 7.+8.1. 19:30 Uhr, Theaterhaus, Siemensstr. 11, S-Nord, www.freiebuehnestuttgart.de sowie 17.1. Kulturhaus Schwanen, Winnender Str. 4, Waiblingen]

