Alle Events fallen aus? Macht es einfach selber

Der DIY-Guide fürs perfekte Heim-Event

Illustration: Duke L. Nguyen, Texte: Frank Rudkoffsky

Der Sommer wird langweilig? Quatsch, holt euch die Events vom Kessel-Festival bis zum Wasen einfach ins Wohnzimmer.

Kessel Festival

Egal, wie heiß es draußen ist, es geht noch heißer. Also dreh die Heizung im Wohnzimmer auf und tanze bis kurz vor der Dehydrierung. Dabei folgst du natürlich dem strengen musikalischen Konzept des Kessel Festivals: Öffne deine komplette Musiksammlung und schalte ganz einfach auf Shuffle. Sobald du so richtig nassgeschwitzt und halb verdurstet bist, stellst du dich vor den Kühlschrank, um dir ein Bier zu holen. Und wartest erst einmal. Zehn Minuten sind gut, so richtig authentisches Kessel Festival-Feeling gibt's aber erst ab Minute 20 – und der bitteren Erkenntnis nach dem Öffnen, dass du gar kein Bier mehr hast. Trinke ein Glas Wasser aus dem Hahn und verbrenne dabei einen Fünf-Euro-Schein.

Marienplatzfest

Erst mal machst du es dir so richtig gemütlich. Mit Luftballons, bunten Fähnchen und Paletten statt Couch im Wohnzimmer. Dazu gibt's schöne Indie-Mucke. Lass dich da ruhig von Spotify mit freaky Geheimtipps überraschen – vielleicht ja irgendwas Suizidal-Trauriges aus Island (aber bitte mit karibischen Rhythmen oder elektronischem Beat). Lad dafür gerne ein paar Freunde zum Chillen ein, aber bloß nicht deine Nachbarn. Die brauchst du nämlich, um bei ihnen spätabends noch Bier für deine Gäste zu schnorren. Die Kohle für die „Tanke“ sammelst du natürlich trotzdem von ihnen ein – kein Marienplatzfest ohne Verräterbier, egal, nach welcher Definition.

Wasen

Es ist zwölf Uhr mittags, höchste Zeit, loszulegen. Trink ein Bier, iss ein Hendl und gönn dir eine Viertelstunde Schleudergang auf dem Drehstuhl. Zieh dir in genau dieser Reihenfolge Fischbrötchen, Zuckerwatte, Nackensteak, Magenbrot, ungarisches Langos und ein Softeis rein und spüle alles davon jeweils mit einem Bier herunter. Nach zwei weiteren Runden auf dem Drehstuhl trinkst du eine Maß auf Ex – das Bier darf ruhig schal und abgestanden sein, so geht's besser runter und schmeckt gleich viel authentischer. Trinke weiter Bier, tanze auf einem wackeligen Brett zu gruseligen Partyschlagern und mach’ mit irgendwas rum, was dir zuerst in die Arme fällt, und sei es der Kleiderständer aus dem Flur. Morgen wirst du dich eh nicht mehr erinnern.

Das intime Club-Konzert

Klar kann man sich seit dem Lockdown unzählige Gigs auf Youtube oder im Stream ansehen. Richtiges Live-Feeling will dabei aber kaum aufkommen. Dabei braucht es nur ein paar kleine Kniffe für das perfekte DIY-Konzert. Du wolltest deine Freundin eigentlich mit einem authentischen Singer-Songwriter-Abend in einem Stuttgarter Club überraschen? So funktioniert die Home-Version: Erst bestuhlst du das Wohnzimmer. In der Reihe vor euch nehmen natürlich die größten und wuscheligsten Zimmerpflanzen Platz, die du auftreiben kannst. Wenn der Stream läuft, wartest du bis zum Lieblingssong deiner Freundin – dann stellst du im Hintergrund einen mindestens genauso lauten Podcast an, der über den Verfall des Musikbusiness lamentiert. Vor Ende des Streams kannst du den Podcast wieder abstellen, das Letzte-Reihe-Publikum wartet doch nicht bis zum letzten Song?!

Bohnenviertelfest

Um das Straßenfest aus Stuttgarts Altstadt fürs eigene Zuhause zu adaptieren, muss man bei den aktuellen Corona-Regeln ans absolute Limit gehen. Für private Feiern dürfen inzwischen 20 Personen aus mehreren Haushalten zusammenkommen. Im Prinzip ist die Versuchsanordnung leicht: Alles, was man fürs heimische Heusteigviertelfest braucht, sind eben diese 20 Menschen in einem möglichst engen Wohnungsflur – Profis stellen noch ein Dutzend Schaufensterpuppen oder Sandsäcke dazu. An einem Ende ist das Klo (A), ans andere stellt man eine Kiste Bier (B). Am Rest des Abends ist Gequetsche und Gequatsche im ständigen Transit zwischen A und B angesagt, während im Wohzimmer (C) ein Konzert läuft, das man verpasst. Keine gute Idee zurzeit? Stimmt. Aber ein prima Test für die Corona-App.

Die fulminante Stadion-Show

Dein bester Kumpel trauert dem ausgefallenen Rammstein-Gig in der Mercedes-Benz-Arena nach? Dem Manne kann geholfen werden: Stell einfach die Boxen in die Küche, mach das Licht aus und die Mikrowelle an – vergiss nur nicht, sie für die Lightshow vorher mit Eiern und Alufolie zu befüllen. Im Hintergrund brutzelt das Öl in der Pfanne und wartet auf einen perfekt getimten Schuss aus deiner Wasserpistole: Kein ordentliches Konzert-Finale ohne Fettbrand, wir sind hier schließlich bei Rammstein und nicht bei Helene Fischer.

Dieser Artikel ist aus LIFT 07/20

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