Virtuell und vielfältig

Die Stuttgarter Kunst- und Kulturszene trotzt Corona

Was haben rote Wurst und Kartoffelsalat mit dem württembergischen König zu tun und was ist eigentlich Gier? Digital schmausen, Gefühlen auf den Grund gehen oder in vergangenen Zeiten schwelgen – Kunst- und Kulturbetriebe aus Stuttgart und der Region bieten unterschiedlichste digitale Angebote an.

Nachwuchstalente

Corona zum Trotz präsentieren die Design-Absolventen und Absolventinnen der Lazi-Akademie in Esslingen ihre Arbeiten in einer Werkschau – dieses Jahr einfach digital. Unter dem Motto „Creativity Unmasked“ sind die Abschlussarbeiten ab dem 5. Februar online zu sehen. Was Interessierte dort erwartet? Ein virtuelles Paralleluniversum der Designwelten aus den Bereichen Fotografie, Grafikdesign und Film. [ab 5.2., www.lazi-akademie.de/werkschau]

Ice, Ice, Baby!

Ursprünglich hätte im Februar die Eröffnung der neuen Ausstellung „Freezing Point – Kunst unter Null Grad Celsius“ in der Esslinger Villa Merkel gefeiert werden sollen. Die Gruppenausstellung sollte zeitgenössische Positionen zu Darstellungen von Eis und Schnee in der Bildenden Kunst thematisieren – auch in Hinblick auf den Klimawandel. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Schau nun auf 2022 verschoben. Online gibt es aber schon in diesem Monat erste Eindrücke. Ab dem 15. Februar präsentiert die Villa Merkel eine Online-Plattform, auf der die teilnehmenden KünstlerInnen und ihre Projekte vorgestellt werden. Auch Kontexte zu Schnee und Eis, die über die künstlerischen Werke hinaus gehen, werden in Text- und Videobeiträgen beleuchtet. Bereits im November hatte der Künstler Jun Yan unter dem Titel „Das Eis des Kaisers von China“ einen 1.000 kg schweren Eisblock im Esslinger Merkelpark vergraben. Was dahinter steckt, erfährt man online bis die geplante Ausgrabung dann im April vor Ort stattfinden soll. [ab 15.2., www.villa-merkel.de]

Bild: Joost Bottema

Medienkunst

Auch die Absolventen und Absolventinnen des Wintersemesters 2020/21 der Merz-Akademie feiern ihren Abschluss und präsentieren ihre Bachelor- und Masterarbeiten online. Der spanische Medienkünstler Manuel Minch hat gemeinsam mit New-Media-Professor Mario Doulis und dessen Studierenden einen virtuellen Raum entwickelt, in dem BesucherInnen die Abschlussarbeiten erleben können. In einer digitalen Werkschau gibt es darüber hinaus aktuelle Projekte aus den Studienbereichen Crossmedia Publishing, Film, Video, Visuelle Kommunikation und New Media zu bestaunen. [Eröffnung: 5.2. 19 Uhr, www.merz-akademie.de/veranstaltungen/abschluss2020-21]

Auf Margarethes Spuren

Das Landesarchiv hat währenddessen einen neuen digitalen 3D-Rundgang durch die aktuelle Ausstellung „Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen“ an den Start gebracht. BesucherInnen werden auf der Webseite mithilfe von 360-Grad-Aufnahmen, Hörbeispielen, Textbeiträgen und weiterführenden Links intuitiv durch die virtuelle Schau geführt. So können sie die Ausstellung nach Belieben durchlaufen und selbstständig Geschichte entdecken. Und damit nicht genug: Passend zum Rundgang haben Studierende der Uni Tübingen die App „Cross- bow-Quiz“ entwickelt. Mithilfe einer virtuellen Armbrust lässt sich so spielerisch auf Highlights der Ausstellung zielen, über die man, nachdem man Fragen zu Margarethe von Savoyen beantwortet hat, zu einem Schatz gelangt. Die zweite App „Zwischen zwei Zeiten“, die mit Studierenden der Hochschule Furtwangen erarbeitet wurde, entführt Interessierte über Mini-Games in die Welt der Augmented Reality. [www.margarethe-savoyen.de]

Foto: Ronny Schönebaum

Philosophisches Lesen

Wer sich dem deutschen Philosophen Hegel literarisch nähern möchte, sollte sich in das neue Format „Weekendvibes“ des Museums Hegel Haus klicken. In der Reihe sind jeden Freitag ab 17 Uhr Stuttgarter Persönlichkeiten zu Gast im Museum. Sie stellen über den hauseigenen Instagram-Kanal im Gespräch mit Museumsleiterin Christiane Sutter ihre liebsten philosophischen Bücher vor. Der erste Gast und Tippgeber ist Rapper Bartek von den Orsons. [jeden Fr, 17 Uhr, www.instagram.com/museum_hegel_haus]

Foto: Eugen Aklykova/Adobe Stock

Speisen wie ein König

Im Oktober 2021 jährt sich der Todestag von König Wilhelm II. zum hundertsten Mal. Zu diesem Anlass plant das Stadtpalais ab Oktober diesen Jahres eine große Sonderausstellung. Um Interessierte auf die Schau vorzubereiten, bietet das Museum aber schon jetzt Angebote rund ums Württembergische Königshaus und die Monarchie. Am 25. Februar geht es beispielsweise der königlichen Kulinarik auf den Grund: Edith Neumann vom Stadtpalais und Albrecht Ernst vom Hauptstaatsarchiv dinieren in einem „Geburtstagsdinner“ digital mit den Leibspeisen des Königs. Dazu gibt es bei dem Online-Event historische Berichte über die Esskultur am königlichen Hof auf die Ohren. So viel vorab: Kulinarisch war Wilhelm ein echter Schwabe! [25.2. 19 Uhr, Live-Stream via www.instagram.com/stadtpalaisstuttgart, www.facebook.com/stadtpalaisstuttgart, im Anschluss auf www.stadtpalais-stuttgart.de abrufbar]     

Damien Hirst - The Quay

Künstlerischer Schmerz

Wer es bisher nicht nach Sindelfingen in die aktuelle Ausstellung „Beyond the Pain“ geschafft hat, darf sich dieses digitale Angebot nicht entgehen lassen. Die Galerie der Stadt Sindelfingen führt in kurzen Video- und Textbeiträgen durch die Schau. Ihr Thema: Schmerzüberwindung in der zeitgenössischen Kunst. KünstlerInnen unterschiedlichster Genres kommen darin zu Wort. Durch Texte, Bilder und Videos wird ein virtueller Ausstellungsrundgang möglich. [www.beyondthepain-galerie-sindelfingen.de]

Foto: Pexels/Pixabay

Große Gefühle

Unter normalen Umständen hätte kürzlich der erste Teil „Gier“ der neuen Ausstellungstrilogie „Gier. Hass. Liebe.“ im Haus der Geschichte eröffnet. Trotz Museumsschließung können sich Interessierte aber auch jetzt schon erste Eindrücke von der Schau verschaffen: Auf der Webseite erzählen Expertinnen und Experten in Videos und Texten spannende Facts zu dem großen Gefühl und seiner Geschichte. [www.gierhassliebe.de]

Daniel Knorr - Butterlfy

Privatführung vom Sofa aus

Auch in der virtuellen Kunsthalle Tübingen wird was geboten: Digital können Interessierte weiterhin die moderne Kunst des Künstlers Daniel Knorrs in der Ausstellung „Supernatural. Skulpturale Visionen des Körperlichen“ bewundern. Das Besondere: In Videos gibt der Künstler Kurzführungen durch seine Ausstellung und erklärt die einzelnen Arbeiten und ihre Hintergründe. Darüber hinaus hält die Kunsthalle Kunstbegeisterte über ihren Instagram-Kanal mit Bild- und Videobeiträgen auf dem Laufenden. [www.kunsthalle-tuebingen.de/kunsthalle-digitalwww.instagram.com/kunsthalletuebingen]

Dieser Artikel ist aus LIFT 02/21

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