Ein Flaggschiff vor dem Kentern

Die Kulturinsel in Bad Cannstatt steht vor dem Aus – trotz Erfolgsgeschichte

Über die Jahre wuchsen die Kulturinsel, ihre Angebote sowie ihre Bedeutung. Nun steht alles auf dem Spiel: Ihr Interimsquartier, das sie aufgrund einer Sanierung beziehen müssen, soll gestrichen werden.

Foto: Ronny Schönebaum

„Wir stehen am Ende – nicht, weil wir versagt haben, sondern weil uns der Boden unter den Füßen entzogen wird.“ Joachim Petzold ist Gründer und Geschäftsführer der Kulturinsel in Bad Cannstatt. Seit 2012 steckt er eigene finanzielle Mittel, Nerven und eine Menge Leidenschaft in diesen Ort. Über die Jahre wuchsen die Insel, ihre Angebote sowie ihre Bedeutung. Nun steht alles auf dem Spiel: Ihr Interimsquartier, das sie aufgrund einer Sanierung beziehen müssen, soll gestrichen werden.

Die Kulturinsel versteht sich als multikulturelle Oase mit Schwerpunkten auf der Quartiers-entwicklung, Kultur, Bildung, Nachhaltigkeit und Vernetzung. In einem ehemaligen Güterbahnhof am Neckarpark gelegen, ist ihre Bandbreite an Angeboten groß, genauso wie ihre Reihe an Auszeichnungen in den Bereichen Stadtverschönerung, Forschung, Creative Space bis hin zum „#jetztklimachen“-Preis. „Man sagt uns, wir seien ein zukunftsfähiges, innovatives Modell. Andere Städte blicken auf uns, laden uns ein“, so Petzold.  „Wir leben seit 13 Jahren eine eigenständige, sozial und wirtschaftlich tragfähige Kulturarbeit mit geringer Fehlbedarfsfinanzierung – so etwas wünschen sich viele Städte.“

Ein sozialer und kultureller Hotspot also, der vieles vereint: „Wir können uns gar nicht in eine Schublade einordnen. Kultur, Soziales, Umwelt, Geflüchtetenarbeit.“ Letztere markierte den Start ihrer Förderung im Jahr 2018, auf Initiative der Stadt. Die kam im Rahmen des Projekts „Willkommensräume“ auf die Insel zu, schon seit 2012 schafft das Projekt Begegnungsmöglichkeiten für EinwohnerInnen mit und ohne Fluchtgeschichte.

Doch die Stadt muss sparen. Die Folgen:  Eine Vorlage der Stadtverwaltung schlägt vor, die Förderung für das Projekt Willkommensräume auslaufen zu lassen und die Basis-Kulturförderung der Kulturinsel um bis zu 20 Prozent zu kürzen. Der größte Paukenschlag: Das Interimsquartier soll nicht wie geplant entstehen, der ursprüngliche Plan sei nun zu teuer. Das Interim ist notwendig, da das Haus des alten Güterbahnhofs kernsaniert werden muss. Seit Jahren stehen Pläne zur Umsetzung der Interimslösung, die Stadt betont immer wieder in Newslettern, ihnen sei an der Erhaltung der Kulturinsel gelegen. 

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