Der Verein Akthivplus (www.aidshilfe-bw.de) schafft seit drei Jahrzehnten Menschen mit HIV einen Raum in Stuttgart für Austausch und Gemeinschaft. Wir haben mit den Vorstandsmitgliedern Michael und Lisa (Name geändert) über das Leben mit dem Virus gesprochen, mit welchen Stigmen sie zu kämpfen haben und wie wichtig die Vereinsarbeit ist.
LIFT Was macht der Verein Akthivplus?
Michael Akthivplus ist eine Selbsthilfeorganisation, die von und für HIV-positive Menschen ins Leben gerufen wurde. Uns ist es wichtig, Betroffene mit einem offenen Ohr zu unterstützen. AIDS-Hilfen leisten großartige Arbeit, aber viele SozialarbeiterInnen sind selbst nicht betroffen. Nur wir wissen, wie sich das Leben mit HIV anfühlt.
Lisa Die AIDS-Hilfen verändern sich mehr und mehr zu „Zentren für sexuelle Gesundheit“. Unter den BeraterInnen findet gerade ein Generationswechsel statt, und Angebote für HIV positive Menschen werden immer weniger. Auch dadurch wird unser Verein wichtiger denn je. Akthivplus bietet auch Vorträge und Workshops zu medizinischen und anderen Themen an, die informativ und hilfreich sind, um den Alltag mit dem Virus besser bewältigen zu können.
LIFT Wie schwer war es in den 80er- oder 90er-Jahren, sich zu outen?
Lisa Das war unglaublich schwer. Oliver Trautwein, unser Gründungsmitglied, war mein Held, weil er den Mut hatte, sich damals öffentlich zu HIV zu bekennen. Das hätte ich mich nicht getraut. HIV galt früher als Schwulenseuche, und die Vorurteile waren massiv. Hattest du als Frau HIV, warst du entweder drogenabhängig oder Sexarbeiterin – das Vorurteil ist heute übrigens noch verbreitet. Und gleichzeitig war die Angst groß in der Bevölkerung, weil viele Menschen dachten, man könne sich durch Berührungen, dem benutzen derselben Toilette oder das Trinken aus demselben Glas anstecken.
LIFT Ist es heute leichter, sich zu öffnen?
Lisa Ich lebe seit 1991 mit HIV, aber ich traue mich bis heute nicht, offen positiv zu leben. Als ich vor 24 Jahren meinen negativen Ex-Mann kennengelernt habe, habe ich mich mehr in die Öffentlichkeit getraut. Aber dann wurde ich schwanger, und mir wurde klar, dass ich mein Kind schützen muss. Das Kind ist übrigens gesund. Ich arbeite im therapeutisch-medizinischen Bereich und habe Angst, wie PatientInnen oder KollegInnen reagieren könnten. Die Gesellschaft hat sich zwar verändert, aber es ist noch lange nicht gut.
LIFT Wie habt ihr von eurer eigenen Diagnose erfahren?
Michael Bei mir war das 2012. Ich hatte plötzlich keine Kraft mehr, konnte kaum Treppen steigen und dachte, ich hätte eine Lungenentzündung. Der Arzt hat mich komplett durchgecheckt, und irgendwann kam die Frage nach einem HIV-Test. Da war mir klar, was los ist.

