Bartek – Knäul

Text: Hannah Bechmann, Foto: Ronny Schönebaum

Bartek von den Orsons geht mit seinem Debütalbum an den Start

Als wir zum Interview in Stuttgarts Oma-Café Number one, Café Stöckle, eintrudeln, sitzt Bartek Nikodemski schon da, ein saures Radler vor ihm auf dem Tisch. „Das ist mein Sommergetränk 2021“, erklärt der Rapper der Stuttgarter HipHop-Chaosgang Die Orsons. Als Einziger der Gruppe hat er noch kein Solo-Album gedroppt, das ändert sich jetzt: Mit „Knäul“ erscheint im Oktober sein erstes eigenes Baby. „Ich hätte natürlich schon immer zehn Songs zusammenstellen können,“ sagt Bartek, aber so richtig als Solo-Artist repräsentiert hätte ihn das nicht.

Das Feeling für den eigenen musikalischen Aus-druck kam erst jetzt. Der Song „Das Geschenk“, den Bartek gemeinsam mit den Orsons für deren letztes Album „Orsons Island“ geschrieben hat, habe seine Art des Songwritings verändert. „Das hat zum ersten Mal irgendwas anderes mit mir gemacht als immer nur Partysongs,  ich kann gut rappen und irgendwas explodiert dabei.“

Bisher rappte Bartek in regelmäßigen Abständen von Apfelschnitzen oder Erdbeeren, aber „Obst und Gemüse sind Obst und Gemüse,“ meint er mittlerweile. Und trotzdem ist er der Meinung, dass die vorherigen nicht ganz so tiefsinnigen Releases genauso passieren mussten. „Ich möchte es nicht missen, aber es ist auch cool, wenn’s weitergeht.“

Eigentlich ist er nämlich ein sehr melancholischer, nachdenklicher Typ. „Ausgehend davon habe ich mich auf die Suche begeben und mich gefragt: Wenn ich in mich rein höre, was sind das für Songs, für Gefühle, für Gedanken, die mich beschäftigen?“ Seine neu entwickelte Arbeitsweise: In einem dunklen Raum vor dem Mikrofon sitzen und einfach drauf los singen. „So sind wirklich alle Songs auf dem neuen Album entstanden, sehr intuitiv.“

Außerdem beeinflusst Barteks hoher Literaturkonsum sein Musikschaffen. „Ich würde ganz vielen Rappern raten, mal wenigstens ein Buch zu lesen,“ schiebt er nach. „Das erweitert den Worthorizont um einiges, zum Beispiel von zehn auf dreißig Wörter.“ Passend dazu ist das letzte Buch, das er gelesen hat, übrigens „Die Kunst der Rezitation und Deklamation“ von Rudolf Steiner. Das sei aber nur was für ein Nischenpublikum, weil es vor allem „Materialien zur Selberschreiberei“ liefert.

Angefangen hat Barteks Karriere als Backup-Rapper beim Stuttgarter Sprechsänger Karibik Frank. „Ich komme eigentlich aus der Nirvana-, Metallica-Fan-Ecke“, erklärt der Musiker. Heute sind seine Newcomer-Favoriten die Rapper Schmyt und Pashanim. Schnell wirft er noch den Namen Betterov hinterher und gesteht: „Das Lied „Dussmann“ macht mein Leben kaputt!“

Nach vier gemeinsamen Alben mit Maeckes (damals noch unterm Künstlernamen Plan B), gründete er gemeinsam mit Kaas und Tua 2007 die HipHop-Boyband Die Orsons.

14 Jahre hat es gebraucht, bis man ihn endlich allein Musikmachen hört – und das klingt gänzlich stimmig, in sich ruhend und irgendwie zufrieden.

Das einzige Feature auf Barteks Debütalbum kommt von Mieze Katz, der Frontsängerin der Berliner Elektropop-Band Mia. „Beim ersten Album wollte ich auf jeden Fall erstmal zeigen, dass ich diese Songs auch selbst tragen kann.“ Eine Handvoll Künstler, mit denen er gerne noch zusammenarbeiten würde, gibt es. Aber man müsse sich ja auch Feature-Gäste für die nächsten Alben aufheben, teasert er an. Wunschgäste wären zum Beispiel Casper und Lary. Ach ja, und sein zweites Album? Hat er schon fertig geschrieben.    

 

Bartek – Knäul

ab 15.10.

Chimperator Productions

Dieser Artikel ist aus LIFT 10/21

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