Auf den Spuren des Wassers

Wandern in Bad Teinach im Nordschwarzwald

Wandern im Schwarzwald: Rund um Bad Teinach-Zavelstein eröffnen sich spektakuläre Ausblicke, wilde Schluchten und über 250 Kilometer Wanderwege. Wir beschließen, zwölf davon selbst zu erwandern – Burgausblick, leckeres Eis und Bäume, soweit die Sicht reicht, inklusive.

Foto: Alex Kijak

Die Inspiration für unseren Ausflug ins Grüne beginnt dieses Mal am Schreibtisch. Aber nicht mit einer Google-Suche, wie man vermuten könnte, sondern mit einem Blick auf die Wasserflasche, die zwischen zerknüllten Post-Its und zig aufgeschlagenen Magazinen um Aufmerksamkeit buhlt. Denn jenes H₂O kommt aus der Teinacher Mineralquelle. Wo genau liegt die eigentlich? Ganz ohne Google-Suche geht es dann doch nicht, wenig später folgt der Aha-Moment: Bad Teinach-Zavelstein im Nordschwarzwald ist nicht nur Abfüllstation des Mineralwassers, sondern auch vielseitige Wanderoase. Mehr als 250 Kilometer Wanderwege führen rund um den Kurort, und just beschließen wir, zwölf davon selbst zu erwandern.

Mit Bus und Bahn geht es rund anderthalb Stunden nach Bad Teinach, unsere erste Überraschung erwartet uns aber in Calw. Der Bus fährt zwar stündlich, jedoch muss für jede zweite Verbindung ein Rufbus bestellt werden. Unerhört für unsere städtischen Ohren, sind wir doch in der Landeshauptstadt nahtlosen Nahverkehr gewöhnt. Wer stattdessen mit dem Auto anreist, braucht etwa eine Stunde.

Angekommen starten wir auf dem Wanderweg „Der Teinacher“. Der Weg führt zunächst entlang eines Waldstücks, das parallel zum Ort verläuft und herrliche Blicke auf den Kurort und die Schwarzwaldhänge eröffnet. Mehrere Gedenksteine säumen den Pfad, unter anderem in Erinnerung an Martin Luther und die sogenannte Jahrhundertbank, gefertigt aus sieben Gedenksteinen aus vier Jahrhunderten. Kurz darauf erhaschen wir einen Blick auf die Abfüllanlage des Wasserherstellers, bevor wir den Fluss Teinach erreichen, den wir auf Trittsteinen (Bild Mitte) überqueren.

Trotz unserer Frischluftflucht aus dem Kessel entkommen wir auch hier nicht den Stäffele. Denn für uns geht es nun über die Mathildenstaffel (Bild links) in die Höhen des Schwarzwaldes. 600 Stufen und 200 Höhenmeter erklimmen wir auf den Treppen, die nach der ersten Königin Württembergs, Charlotte Auguste Mathilde, benannt sind. Die Anstrengung lohnt sich. Mit Abschluss der letzten Stufen eröffnet sich vor uns eine weite Vista, die fast nostalgisch an die berühmte Windows-XP-Wiese erinnert.

Nach einer kurzen Verschnaufpause steigen wir hinab in die Wolfsschlucht. Der Weg führt über die Berghütte mit ihrem herrlichen Blick auf die Burgruine Zavelstein, durch moosbedeckte Steine und zwischen langen, baumhängenden Flechten hinunter ins Tal, wo wir erneut auf den Teinach treffen. Über das hölzerne Feierabendbrückle verlassen wir das Waldstück und kehren in der Schlossberghütte (Uhlandstr. 50) ein. Auf der Außenterrasse der Gaststätte lassen wir uns Käsespätzle und geschmälzte Maultaschen schmecken, und genießen im Sonnenschein ein erfrischendes Hefeweizen.

Einen Tick zu satt und entsprechend gemächlich geht es anschließend wieder bergauf, bis wir die Burgruine Zavelstein (Bild oben) erreichen. Der Innenhof versprüht mittelalterlichen Charme, und zahlreiche Bänke laden zu einer Pause mit Aussicht ein. Über 28 Meter steigen wir im Burgturm empor und blicken von oben auf die scheinbar endlosen Baumkronen des Schwarzwalds. Hinter uns liegt Zavelstein, einst die kleinste Stadt Deutschlands, und unser nächstes Ziel. Über den Burgfried geht es in den Ort, und bei Annas Café (Im Städtle 6) erlauben wir uns ein Eis als Stärkung.

Fix geht es wieder in den Wald, wir wandern talwärts und überqueren eine Bundesstraße, bis wir wieder auf den Teinach treffen. Unser letzter Wanderabschnitt wird begleitet vom Plätschern des Bachs und Sonnenstrahlen, die sich durch das Dickicht der Bäume kämpfen. Wir genießen die idyllische Ruhe und das meditative Strömen des Flusses, bevor wir auf eine vertraute Aussicht stoßen. Bad Teinach rückt wieder in unseren Fokus und markiert das Ende unserer Wanderung.

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