70 Jahre Fernsehturm

Vom Schandfleck zum Wahrzeichen

Der Fernsehturm Stuttgart ist der erste seiner Art und auch wenn sein unrsprünglich technischer Zweck in der Vergangenheit liegt, ist seine Geschichte noch nicht auserzählt.

Foto: SWR Media Services/Instagram.com-flying_igor

Egal, ob wir ihn als Motiv auf Postkarten, Taschen, T-Shirts und oder in unserem Alltag am Horizont entdecken: Seit seiner Einweihung vor genau 70 Jahren prägt der Stuttgarter Fernsehturm die Stadt. Als erster seiner Art gilt er heute international als architektonische Ikone und hat sich zum unumstrittenen Wahrzeichen Stuttgarts entwickelt – und das, obwohl das 217 Meter hohe Bauwerk in seinen Anfängen kontrovers diskutiert wurde.

Seine Ursprünge waren dabei hauptsächlich von funktionaler Natur: An der Geburtsstunde des offiziellen deutschen Fernsehens am 25. Dezember 1952 konnten nur wenige BürgerInnen teilhaben, da ein mittelmäßiger Empfang nur in den Höhenlagen und mit speziellen Antennen möglich war. Ein Fernsehsender musste also her – der Hohe Bopser erwies sich dabei schnell als ein passender Standort für den mit Drahtseilen gesicherten Eisen-Gittermast, den der Süddeutsche Rundfunk anfangs plante.

Was folgte, war ein entscheidender Wendepunkt: Der berühmte Brückenbauer und Statiker Fritz Leonhardt schlug anstelle einer Mastkonstruktion einen Betonturm vor, der neben seiner technischen Funktion auch gastronomisch und kulturell genutzt werden sollte. Trotz kritischer Stimmen aus dem Gemeinderat und Protestaktionen der BürgerInnen, die unter anderem ein finanzielles Desaster befürchteten oder das Projekt in Briefen als „Schandmal“ oder „Fremdkörper“ bezeichneten, konnte Leonhardt Helmut Rupp, den technischen Direktor des SDR, den Intendanten Fritz Eberhard und den Verwaltungsdirektor Friedrich Müller überzeugen.

„Der Stuttgarter Fernsehturm verkörpert den Wandel eines Projekts, das zunächst auf Skepsis und Ablehnung stieß, hin zu einem weltweit bewunderten Wahrzeichen“, erzählt Francisco Hoyo, Kommunikationszuständiger beim SWR. Die finanziellen Bedenken waren jedoch schnell eine Sache der Vergangenheit: Bereits fünf Jahre nach Eröffnung des Fernsehturms konnten die Baukosten in Höhe von 4,2 Millionen Mark durch die Eintrittsgelder wieder eingebracht werden. Und weit über die Grenzen Stuttgarts und Deutschlands hinaus entwickelte er sich zu einem architektonischen Vorbild für Metropolen weltweit – obwohl die Fernsehantennen seit dem Jahr 2006 stillgelegt sind. „Der Stuttgarter Fernsehturm konnte so viel Anklang finden, weil er eine einzigartige Kombination aus technischer Innovation, architektonischer Eleganz, multifunktionaler Nutzung und symbolischer Kraft bietet“, so Hoyo. „Er war nicht nur ein technisches Experiment, sondern ein Meilenstein, der zeigte, wie Bauwerke sowohl funktional als auch ästhetisch und kulturell bedeutend sein können.“

Obwohl der ursprüngliche, technische Zweck des Fernsehturms in der Vergangenheit liegt, ist seine Geschichte noch nicht auserzählt. Laut Hoyo wird aktuell über die Aufnahme des Fernsehturms in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste diskutiert. „Das Verfahren ist langwierig, doch die Chancen stehen gut. Als technisches Denkmal der Nachkriegszeit schließt er eine Lücke auf der UNESCO-Welterbeliste, die solche Innovationen bislang kaum berücksichtigte“, erklärt er.

Um diese Geschichte zu feiern, sind im Jubiläumsjahr 2026 diverse Events wie Konzerte, Filmnächte und eine erstmalige 70-Stunden-Öffnung geplant. In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar sind BesucherInnen dazu eingeladen, mit einem Sektempfang in den Geburtstag des Fernsehturms reinzufeiern – seine Türen schließt der Fernsehturm dann erst am 7. Februar um 22 Uhr.

Alle Infos zum Programm: www.fernsehturm-stuttgart.de

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