Wer mit aufmerksamem Blick durch die Straßen, Viertel und Gassen der Stadt geht, ist ihnen vielleicht schonmal begegnet: den Gebäuden ohne rechte Winkel, den Schriftzügen mit den abgerundeten Ecken oder den Siegeln auf den Produkten im Bio-Markt. „Man kann in Stuttgart kaum 100 Meter laufen, ohne dass man irgendetwas trifft oder sieht, das mit Anthroposophie zu tun hat“, erklärt Yannick Nordwald, Ausstellungsleiter des Stadtpalais. Im Rahmen des diesjährigen Steiner-Jubiläums organisieren diverse anthroposophische Einrichtungen und Unternehmen ein dreitägiges Festival auf dem Schlossplatz – mit dem Ziel, Steiners Einfluss auf die Gegenwart, aber eben auch die kritischen Aspekte seines Denkens zu diskutieren.
Denn egal, ob Waldorfschulen, Arztpraxen, Buchhandlungen oder Ladenketten wie DM und Alnatura: Irgendwie scheint Rudolf Steiner, der vor genau einem Jahrhundert in Dornach verstorben ist, mit seinen Ideen und Vorträgen bleibende Spuren im Stadtbild Stuttgarts hinterlassen zu haben. Da stellt sich die Frage: Warum eigentlich? „Der Erste Weltkrieg war in ganz Deutschland so ein großer Einschnitt, dass einige Menschen gesagt haben: Wir müssen die Gesellschaft grundsätzlich verändern. Das war die perfekte Ausgangssituation für Neues, für eine andere Sicht auf die Welt nach einer Krise“, so Nordwald.

