Kulturschutzgebiet

Was wird aus dem Kulturschutzgebiet bei den Wagenhallen?

Eigentlich war es schon ein Happy End für das Kunst- und Kulturprojekt Contain't: Weil die Container City beim Kunstverein Wagenhalle, deren AkteurInnen seit der Kündigung des Mietvertrags nur noch geduldet werden, im Herbst abgebaut werden muss, hatte sich der Gemeinderat für das gemeinnützige Projekt stark gemacht.

Genau wie für die Waggons der benachbarten Ateliergemeinschaft Bauzug 3YG und den Stadtacker wurden für Contain't Gelder bewilligt, um den Umzug zu finanzieren – alle drei sollen zur Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 schließlich Teil der Maker City sein, dem ers­ten fertiggestellten Areal des neuen Rosensteinviertels.

Bei Contain't jubelte man über einen Einmalzuschuss von 604.000 Euro und eine Personalkostenförderung. Ein halbes Jahr später gibt es jedoch leider immer noch keinen Interimsstandort – und die Zeit drängt. „Wenn wir innerhalb der nächsten Wochen keine Fläche finden, müssen wir abbauen und einlagern“, sagt Marco Trotta von Contain't frustriert.

18 Flächen wurden gemeinsam mit der Stadt geprüft, keine stellte sich als geeignet heraus. Selbst abgelehnt hat Contain't nur drei Stand­orte, alle anderen scheiterten an der Verwaltung und anderen AkteurInnen – und nicht selten am Naturschutz. „Es ist paradox: Für den Stadtacker und die Waggons wurden Lösungen gefunden“, so Trotta. „Dabei suchen wir mit nur 2.000 Quadratmetern nach einer viel kleineren Fläche und sind dank unserer mobilen Räume anpassungsfähig.“

Der Stadtacker hat es bei seinem Umzug jedenfalls nicht weit: Die Gemeinschaftsgärten, die noch bis Mitte 2023 an ihrem Standort bleiben dürfen, rücken einfach näher an den benachbarten Kleingartenverein heran und beziehen in Zukunft einen Streifen am Wegrand. Zwar schrumpft die Fläche von aktuell rund 4.000 Quadratmetern dann beinahe um die Hälfte, trotzdem ist man beim Stadtacker glücklich: „Es gab in den letzten Jahren viele Momente, in denen wir nicht mehr daran geglaubt haben“, sagt Vereinsmitglied Beatrice Zilt. „Natürlich hätten wir uns mehr Platz gewünscht, aber dass unsere neue Fläche kein Interimsstandort sein wird und wir dort bleiben können – das ist großes Kino!“

Nicht nur hier soll der Stadtacker die Maker City prägen. „Der Plan ist, dass wir in das neue Viertel hineindiffundieren und an mehreren Stellen Grünflächen gestalten“, so Zilt.

Für die Waggons der Ateliergemeinschaft Bauzug 3YG, die von ihrem Gelände weichen müssen, steht der neue Standort schon länger fest. Der Umzug war eigentlich für dieses Frühjahr geplant, nun wird die knapp 500 Meter entfernte Fläche aber doch erst Ende Dezember frei. „Zum Glück hat uns die Bahn zugesichert, dass wir so lange bleiben können“, sagt Benjamin Köhl vom Bauzug.

Bleiben dürfen eventuell auch einige Container in der benachbarten Container City – das jedenfalls hofft Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle. Bis Ende Oktober soll eigentlich alles abgeräumt sein, damit im Januar die Artenschutzmaßnahmen beginnen können, die vor Baubeginn der Maker City nötig sind. „Wir sind aber mit der Stadt im Gespräch über einen Teilerhalt“, so Bischoff.

Konkret geht es um den Kunstboulevard, den die erste Containerreihe entlang der Wagenhalle bildet. AkteurInnen wie „Fahrräder für Afrika“ dürften dann zum Beispiel vor Ort bleiben. Das Ziel ist für den Vorsitzenden des Kunstvereins jedenfalls klar: „Wir wollen versuchen, die Atmosphäre der Container City zu erhalten.“

Dieser Artikel ist aus LIFT 06/22

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