Banksy - Love is in the Bin

Foto: Banksy/Sothebys
Ausstellungen
Donnerstag
07.03.2019 10:00 Uhr
Staatsgalerie
70173 Stuttgart-Mitte
Konrad-Adenauer-Str. 30-32

Die Aktion setzte die Kunstwelt in Aufruhr: Sothebys versteigert für über eine Million Euro das Werk „Girl with Balloon“ (Mädchen mit Ballon) des Street-Art-Superstars Banksy. Kurz darauf vernichtet ein im Rahmen verbauter Schredder das Bild. Eine raffiniert geplante Aktion des sagenumwobenen, anonymen britischen Künstlers, der die Kommerzialisierung von Kunst kritisch sieht. Im März übergibt die Käuferin das von Banksy in „Love is in the Bin“ (Die Liebe ist im Eimer) umbenannte Werk als Dauerleihgabe an die Staatsgalerie. Was macht das Museum mit dem sensationellen Neuzugang? Christina Lange, Direktorin der Staatsgalerie, spricht über den Hype, seine historischen Vorgänger und wie sie mit den Spielchen des Künstlers umgehen will.

 

LIFT „Love is in the Bin“ gilt als ers­­tes Werk, das während einer Kunstauktion entstand. Wie schät­zen Sie die kunsthistorische Bedeutung ein?

Lange Das wird die Geschichte zeigen, wie bei anderen Werken auch. Banksy muss sich erst im musealen Kontext beweisen. Dafür sind Museen schließlich da, sie kanonisieren, damit über Generationen hinweg die Frage nach der Bedeutung im gesellschaftlichen Dialog immer wieder neu gestellt werden kann. In Zukunft kann das unterschiedliche Entwicklungen nehmen.

LIFT Banksy besprüht als Stra­ßenkünstler in erster Linie Wände in der Öffentlichkeit und will selbst nicht, dass seine Werke verkauft und ausgestellt werden. Wie gehen Sie damit um?

Lange Wir werden ihn an wechselnden Orten in der Sammlung präsentieren. Banksys Strategie ist es ja, immer irgendwo aufzutauchen, jetzt also im Museum. Dass er das nicht will, muss man nicht billigend in Kauf nehmen. Wir setzen ihn in Beziehung zu anderen Werken, etwa zu Rembrandt, um dessen Person es ein ähnliches Mysterium gab, oder zu Marcel Duchamp, in dessen Tradition Banksy hinsichtlich eines gewissen Spiels mit den Betrachtern steht. Viele Künstler wie etwa Dieter Roth  haben subversive Strategien gegen Markt und Museum eingesetzt. Banksys Haltung ist nicht neu.

LIFT Ist Banksy also gar nicht so radikal, wie er glauben lassen will? Er zerstörte das Bild auch nur zur Hälfte und ließ es so ausstellbar.

Lange Klar, es gibt berechtigte Zweifel an der Aktion. Weshalb etwa wurde das Bild nicht wie bei jeder Aktion zuvor geprüft und auf einer Staffelei präsentiert? Ich glaube kaum, dass Sothebys es nicht billigend ignoriert hat. Doch es soll sich jeder selbst denken, was Banksys Aktionen einem sagen. Wir sind Teil seines Spiels, müssen bei der Betrachtung aber nicht dem Künstler gehorchen – es kommt darauf an, was der Betrachter aus einem Kunstwerk macht.

 

Banksy: „Love is in the Bin“ ab 7.3., Staatsgalerie, S-Mitte, Konrad-Adenauer-Str. 30-32, Di-Mi+Sa-So 10-17, Do 10-20 Uhr, www.staatsgalerie.de

Staatsgalerie
Konrad-Adenauer-Str. 30-32
70173 Stuttgart
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